#039 - Grönland, Schneeberge und faule Deutsche
Shownotes
Grönland rückt ins Zentrum globaler Machtfragen: 57.000 Menschen erleben, wie über ihr Land mit Bewertungen zwischen rund 200 Milliarden und bis zu 2,8 Billionen US-Dollar gesprochen wird – je nachdem, ob Rohstoffe, Lage oder Sicherheit zählen. Neue Aufnahmen vom Louvre-Einbruch zeigen 4 Museumswärter in unmittelbarer Nähe der Tat und werfen erneut Fragen zur Sicherheit und zum Ablauf des Raubs auf. Währenddessen machen extreme Winterbilder sichtbar, was Naturgewalt bedeutet: In Kamtschatka türmt sich Schnee bis in den 9. Stock, mit über 2,5 Metern Höhe. Und in Deutschland entfacht Bundeskanzler Friedrich Merz mit seiner Aussage über durchschnittlich 14,5 Krankheitstage pro Arbeitnehmer eine Debatte darüber, ob der Wirtschaftsstandort leidet – oder ob Zahlen mehr über Arbeitsbedingungen als über „faule Deutsche“ erzählen.
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Redaktion & Host: Daniel Boschmann (danielboschmann.com) • Schnitt & Produktion: Kevin Blume (kevinblume.de)
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00:00:00: Äh, mal unter uns.
00:00:02: Wir haben noch nicht mal den ersten Monat drum.
00:00:04: Und ich hab jetzt schon das Gefühl, dieses Jahr ist ein bisschen verrückter als letztes Jahr.
00:00:08: Oder?
00:00:09: Bist du alleine oder fühlst du das auch?
00:00:11: Weil ich hätte hier folgende Beweismittel.
00:00:26: Es ist Dienstag der zwanzigste, erste, zweitausend, sechsundzwanzig.
00:00:30: Hier ist Daniel Boschmann mit Zeitag.
00:00:31: Wir rechnen mit der Woche ab.
00:00:33: Ich schnappe mir die aktuellen Zahlen mit den Geschichten daneben und dahinter.
00:00:37: Erst die Meldung, dann das Abschweifen, das ist hier der Auftrag.
00:00:40: Und dem komme ich jetzt gerne nach, denn es ist wieder viel los.
00:00:45: Sparkassegelsenkirchen, das Update.
00:00:47: Vieles nicht passiert, aber wir gucken trotzdem hin.
00:00:50: Vier.
00:00:50: Am Wochenende sind neue Videos vom Louvre-Raub veröffentlicht worden.
00:00:55: Vier Mitarbeiter stehen während des Raubs quasi daneben und unternehmen nix.
00:01:00: Ich meine, ich kann das verstehen.
00:01:01: Da brechen welche ein und ich habe keine Waffe und nichts.
00:01:03: Was soll man da machen?
00:01:04: Wird aber in Frankreich richtig diskutiert.
00:01:08: Das große Thema dieser Folge ist das hier.
00:01:11: Siebenundfünfzigtausend.
00:01:13: Siebenundfünfzigtausend Menschen leben auf Grönland.
00:01:17: Trump will die kaufen.
00:01:18: Die große Frage also, was kostet Grönland?
00:01:21: USA gegen Europa.
00:01:23: Trump meint, das könnte man alles mit siebenhundert Milliarden Dollar so klar machen.
00:01:27: Eine neue Studie bewertet Grönland aber viel höher.
00:01:31: Ähm, mal ganz davon ab.
00:01:33: Kann man Grönland überhaupt kaufen?
00:01:35: Und was wären die Folgen?
00:01:36: Achtung, ich bin ein bisschen sehr abgeschwiffen.
00:01:39: Es macht aber super Spaß.
00:01:40: Ich mache dich zum Grönland-Profi.
00:01:44: Neun.
00:01:44: Schnee bis in den neunten Stock.
00:01:46: Es war auch der Siebte zu lesen, aber neun ist krasser, deswegen sage ich neun.
00:01:50: Da muss man schon dreimal hinschauen.
00:01:52: Ging mir auch so.
00:01:52: Erste Idee war, das muss KI sein.
00:01:55: Ist es aber nicht.
00:01:57: Auf der russischen Halbinsel Kammtchatka ist alles voller Schnee.
00:02:01: Alles zum Super Schnee in Russland, die größten Schneerekorde weltweit und das epische Schneeereignis der Geschichte in Deutschland.
00:02:09: Habe ich gleich für dich.
00:02:11: Das Ereignis ist ein bisschen her, aber... Unser Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert den zu hohen Krankenstand der Deutschen.
00:02:19: Der liegt im Durchschnitt bei vierzehn Komma fünf Tagen pro Jahr.
00:02:23: Diese Zahl steht stellvertretend aktuell für die Debatte über unsere Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
00:02:31: Ja, was will der uns denn sagen?
00:02:32: Sind wir kränklich?
00:02:33: Sind wir faul?
00:02:34: Was will er denn unser Bundeskanzler?
00:02:35: Und stimmt das überhaupt?
00:02:38: Und fünfundhundertachtzig.
00:02:40: Ja, kann man nicht glauben.
00:02:41: Fünfundhundertachtzig Millionen Dollar.
00:02:43: Ersparnes durch Abnehmenspritzen haben angeblich die vier großen amerikanischen Airlines.
00:02:49: Was steckt dahinter?
00:02:51: Zahltag, let's go.
00:02:53: Ja, hallo.
00:02:54: Neues vom Ein-Mann-Jahrhundertraub-Kompetensteam.
00:02:57: Also von mir.
00:02:58: Ich bin ja nun, wie jetzt jeder wissen sollte, begeistert vom Louvre.
00:03:02: Verbrechen und Sparkasse kam ja auch noch dazu.
00:03:04: Deswegen hier das Update.
00:03:07: Von der Sparkasse gibt es fast nichts Neues.
00:03:09: Alles, was heute diskutiert wird, hast du hier eigentlich ins Zeitag schon gehört.
00:03:13: Aber während in Gelsenkirchen diese These Insider-Job immer mehr verfolgt wird, weil die Alarmanlage nicht eingeschaltet war und die Einbrecher den Achtschillingco zum Vorraum kannten, fand am Wochenende in Frankreich eine Pressekonferenz statt.
00:03:27: Und die hatte es in sich.
00:03:31: Es gibt nämlich neue Videos vom Einbruch am neunzehnten Oktober.
00:03:35: Am Wochenende, insbesondere am Sonntagabend, haben die großen französischen Sender TF-IN, in der Sendung Cetavid, also sieben bis acht wohl, und Franz Television erstmals exklusives Videomaterial der Überwachungskameras aus der Tatzeit veröffentlicht.
00:03:50: Diese Bilder haben in Frankreich für erhebliches Aufsehen gesorgt.
00:03:54: Da sieht den Raub in einer beispiellosen Deutlichkeit zeigen.
00:03:58: Der politisch brisanteste Teil der neuen Videos ist die Rolle des Sicherheitspersonals im Museum.
00:04:03: Das Video zeigt nämlich vier Museumswerter, die sich zum Zeitpunkt des Überfalls nur wenige Meter entfernt im selben oder im angrenzenden Raum befunden haben.
00:04:13: Auf dem Video sieht man auch ein Werter, der einen Metallständer, also eher so ein Pfosten für Abspielkordeln, ergreift und ein paar Schritte auf die Täter sogar zu macht, dann aber unentschlossen stehen bleibt und sich zurückzieht.
00:04:25: Das wird gerade aufgeregt diskutiert in Frankreich und ich muss ganz ehrlich sagen, Ich verstehe die Leute, warum sollen die für den Lohn eines Museums Wertas jetzt da im Fall der Fälle gegen bewaffnete Einbrecher irgendwie loslegen?
00:04:39: Sehe ich überhaupt nicht ein, das sollte meine Sicherheitstruppe machen oder man sollte bewaffnet sein und trainiert sein.
00:04:44: dafür, war mal aber nicht.
00:04:46: Der Hintergrund?
00:04:47: Die Staatsanwaltschaft erklärt dazu, dass die Werter unbewaffnet waren, wie gesagt, und sogar die Anweisungen hatten, bei gewaltsamen Überfällen primär erstmal die Besucher rauszubringen und sich nicht selbst in Lebensgefahr zu bringen.
00:04:59: Aber dennoch befeuern diese Bilder die Debatte über die Sicherheitsmängel wieder mal massiv.
00:05:05: Also ich bin aufseiten der Museumswerter.
00:05:07: Warum soll ich mich da einmischen, wenn da einer einbricht?
00:05:09: Man weiß ja nicht, ob die irgendwie eine krasse Waffe dabei haben.
00:05:12: Neben dieser Situation.
00:05:14: können wir aber auch das allererste Mal die Details zum gesamten Raub sehen.
00:05:18: Die Kameras nämlich im Inneren der Galerie halten fest, wie die Täter mit Winkelschleifern und massiven Faust hieben gegen die Panzerglasvitrien der Kronjuwelen Ballern.
00:05:27: Die Szene wirkt, das finde ich, und sagen auch viele Medien eher chaotisch und amateurhaft als professionell.
00:05:34: Ein Täter zum Beispiel rammt die Vitrine sogar mit der Schulter, wie so ein Rakbispieler, um das Glas dann zu lockern.
00:05:40: Man sieht dann, wie die Schmuckstücke eingepackt werden, darunter auch das berühmte Smarak-Z und einfach dann in mehrere Taschen gebracht wird.
00:05:47: In einer Sequenz ist übrigens auch zu sehen, wie einem der Diebe die Krone der Kaiserin Eugenie aus der Hand rutscht und zu Boden fällt.
00:05:54: Danach hebt er sie dann einfach hastig wieder auf.
00:05:56: Das wirkt wie ein Kinofilm, nur halt durch die Beaufungskamera.
00:06:00: Die Täter verlassen dann die Galerie über den selben Weg, wie sie reingekommen sind, wissen wir ja über diesen Hebelift und so.
00:06:05: Und dreißig Sekunden, das hatte ich ja auch schon mal gesagt, nach dem Verschwinden trifft dann das bewaffnete Interventionsteam des Museums am Tatort ein.
00:06:14: Die verpassen die Diebe also nur um dreißig Sekunden.
00:06:17: Hatten wir schon gehört, aber die Bilder zu sind neu.
00:06:20: Die Pariser Chefstaatsanwältin übrigens, Laura Beko, auch hier bekannt, hat anlässlich jetzt des dreimonatigen Jubiläums, ist ja schon drei Monate her, noch einmal betont, Nunavampadi Nutriderniemu.
00:06:33: Wir haben unser letztes Wort noch nicht gesprochen.
00:06:35: sagt sie.
00:06:36: Trotz der Tatsache, dass die Beute nach drei Monaten noch immer verschwunden ist, sei die Entschlossenheit der Justiz und der Ermittlungsbehörden, insbesondere dieser Sondereinheit, ungebrochen.
00:06:46: Was soll sie auch anderes sagen?
00:06:48: Problem, sagt sie nämlich auch, alle Verdächtigen schweigen und ihr erzählen gar nichts.
00:06:54: Die jüngsten Verhörrunden haben keinen einzigen neuen Durchbruch ergeben.
00:06:58: Die Verdächtigen verweigern jede Aussage zum Stand der Beute.
00:07:01: Also entweder wissen sie es nicht, oder es ist wirklich eine hardcore eingeschworene Gemeinde.
00:07:06: Die Ermittlungen deuten jetzt auch darauf hin, dass es sich bei den Ausführenden eher so um Polizeibekannte Krileinkriminelle aus dem Pariser Großraum handelt, was die Frage nach mütlichen Hintermännern umso dringlicher macht.
00:07:17: Letzte Woche hatte ich ja noch von dieser Garage gesprochen, wo es ja auch Bilder gibt.
00:07:20: Also permanent ist es jetzt so ein Hin und Her zwischen, war das jetzt organisierte Kriminalität oder war das nur eine große Gruppe an kleinen Verbrechern.
00:07:28: Starke Vermutung ist nämlich, dass die Steine nicht direkt verkauft worden, sondern im Milieu der Kriminalität als Sicherheit oder als Zahlungsmittel für andere illegale Geschäfte genutzt werden.
00:07:38: Und die These von dem anonymen Sammler, der da der Auftraggeber war, wird weiterhin geprüft, kann aber, laut der Staatsanwältin, derzeit nicht als sicherer als andere Theorien eingestuft werden.
00:07:50: Da klingt aber verdächtig.
00:07:52: Nicht, dass da ein Milliardär dahinter steckt.
00:07:54: Sackreble!
00:07:56: So, jetzt einschneiden.
00:07:57: Jetzt geht's erst mal Vollgas um Grönland.
00:08:01: Siebenundfünfzigtausend.
00:08:03: Siebenundfünfzigtausend Menschen erleben gerade, dass die ganze Welt darüber diskutiert, ob, wie und für, wie viel sie verkauft werden können.
00:08:12: Das ist eine völlig bizare Geschichte mit dem Titel, was kostet Grönland?
00:08:16: Damit du jetzt einen Überblick behältst und mitreden kannst, habe ich alles wichtige zusammengetragen pro, kontra, um was gerade so diskutiert wird, denn die Nachrichten sind ja voll davon.
00:08:25: Fragen stellen sich.
00:08:26: Warum will Trump Grönland überhaupt?
00:08:28: Unbedingt.
00:08:30: Kann man Grönland überhaupt kaufen?
00:08:31: Und wie viel sollte Grönland denn kosten, wenn man es kaufen will?
00:08:36: So, das Ende der Welt ist der heißeste Ort aktuell, Grönland.
00:08:40: Was früher eine verrückte Schlagzeile oder, sagen wir mal, ein imperialistischer Wunschtraum aus der vergangenen Zeit gewesen ist, wird jetzt gerade allen ernstes diskutiert.
00:08:48: Die Nachrichten sind ja voll davon.
00:08:50: Wie viel Wert ist diese Insel?
00:08:53: Und genau wie bei Immobilien zählt hier Lage, Lage, Lage.
00:08:57: Also wenn du in eine Wohnung suchst oder ein Haus, genau wie bei dieser Insel, der Ort zählt.
00:09:02: Als Präsident Donald Trump will Grönland unbedingt, stellt sich noch mal die Frage, warum eigentlich, damit wir das alles verstehen, warum die so verrückter hinterher sind.
00:09:11: Es gibt vier Hauptgründe.
00:09:13: Erstens.
00:09:14: Die russische Bedrohung und The Golden Dome.
00:09:17: Ist doch wieder allein, naja.
00:09:19: Trump argumentiert natürlich vor allem mit der nationalen Sicherheit der USA.
00:09:23: Er behauptet öffentlich, dass Dänemark nicht mehr in der Lage sei, die Arktis gegen russische oder chinesische Einflüsse zu schützen.
00:09:30: Okay.
00:09:32: Er sieht Grönland als unverzichtbaren Standort für seinen geplanten Golden Dome.
00:09:37: Ein massives Raketenabwehrsystem, das die USA vor modernen Hyperschei-Waffen aus Russland schützen soll.
00:09:43: Vor allem aus Russland, vielleicht aus China, wer weiß.
00:09:46: Das Argument, wer Grönland kontrolliert, kontrolliert den Luft- und Sehweg über dem Nordpol.
00:09:52: Also die direkteste Flugroute für Raketen zwischen Russland und den USA.
00:09:57: Ey, allein wenn ich Goldendom höre, warum muss bei dem alles Gold sein?
00:10:00: Das ist so peinlich, meine Güte, wie ein kleiner Junge der Weltpolitik spielt.
00:10:05: Naja, lass uns das mal hingestellt.
00:10:07: Zweiter Punkt, warum will Trump Grönland?
00:10:10: Der Schatz im Eis, seltene Erden.
00:10:12: Eine neue Studie, die ich gleich noch besprechen werde, liefert eben richtig viel Futter.
00:10:16: Grünland verfügt nämlich über gigantische Vorkommen an kritischen Mineralien und seltenen Erden.
00:10:23: Aktuell ist der Westen bei diesen Rohstoffen nämlich, wichtig für E-Autos, Smartphones und moderne Waffensysteme, extrem abhängig von China.
00:10:31: Der geologische Gesamtwert also auf Grünland wird auf mehrere Billionen Dollar geschätzt.
00:10:37: Und für ihn?
00:10:38: Also für Trump ist Grönland deswegen kein Land, sondern ein großes Rohstoffdepot, aktuell das größte Rohstoffdepot der Welt.
00:10:45: Dritter Grund, warum will Trump unbedingt Grönland?
00:10:48: Neue Handelsrouten, diese Nordwestpassage.
00:10:51: Durch das Abschmelzen des arktischen Eises wird die Schiffer durch den Norden kommerziell attraktiv.
00:10:57: Wir sagen, eine eisfreie Nordwestpassage würde die Transportzeit zwischen Asien und der Ostküste in Amerika drastisch verkürzen.
00:11:06: Wer also dann die Häfen und die Küsten von Grünland besitzt, kontrolliert also die Mautstation und die Logistik der Zukunft.
00:11:12: Und Trump will hier halt lieber Besitzer sein als Gast.
00:11:15: Und der vierte Grund, warum will Trump Grünland?
00:11:18: Es wäre der Deal seines Lebens.
00:11:20: Für Trump ist Grünland auch eine Frage von Ego und historischem Vermächtnis.
00:11:24: Überraschung.
00:11:25: Er möchte nämlich als der Präsident in die Geschichte eingehen, der das US-Teritorium massiv erweitert hat.
00:11:31: Vergleichbar dann mit dem Kauf von Alaska, Intern.
00:11:35: im Berichten zufolge bezeichnet er den Deal als psychologisch notwendig, um die globale Dominanz der USA zu zementieren.
00:11:43: Wir sagen, sein kleines Mini-Ego braucht das ganz dringend.
00:11:47: Ich versuche das hier gar nicht auf einer Metaebel zu verstecken, ich finde dieses ganze Vorgehen absurd und ekelhaft.
00:11:53: Aber naja, jetzt haben wir die ganzen Gründe zusammengetragen.
00:11:56: Jetzt sollte man sich doch mal grundsätzlich fragen, kann man Grönland überhaupt kaufen?
00:12:02: Sag mal mal so.
00:12:03: Wenn alle nach den geltenden Regeln spielen würden, hätten wir die ganze Diskussion auf jeden Fall gar nicht.
00:12:08: Punkt eins, Menschen sind keine Immobilie.
00:12:11: Man kann Grönland nicht einfach wie ein Stück Gewerbeimmobilie kaufen, da das Völkerrecht das heute faktisch ausschließt.
00:12:17: Seit zwei Tausend und neun gilt in Grönland das Selbstdürreloven.
00:12:22: Ich hoffe, das habe ich annähernd richtig ausgesprochen.
00:12:24: Dieses Gesetz erkennt die Grönländer als eigenes Volk im Sinne des Völkerrechts an.
00:12:29: Und das legt fest, Eine Änderung des Status von Grönland kann nur und ausschließlich durch das grönländische Volk selbst und mit Zustimmung des dänischen Parlaments erfolgen.
00:12:40: Nach der ON-Karte und dem Recht auf Selbstbestimmung der Völker ist als ein Verkauf von Territorien gegen den Willen der Bewohner im XXI.
00:12:48: Jahrhundert illegal.
00:12:50: Es geht gar nicht.
00:12:52: Wir diskutieren also etwas, was tatsächlich illegal ist.
00:12:55: Die USA müssten also nicht mit Kopenhagen, also Dänemark, über einen Preis verhandeln, also Preis, sondern mit Nuuk, der Hauptstadt von Grönland, über eine politische Union reden.
00:13:05: Nur so ginge irgendeine Zusammenarbeit.
00:13:08: Grönland ist übrigens, das nochmal als Erinnerung, ein integraler Bestandteil des Dänischen Königreichs.
00:13:13: Ein Verkauf würde eine Verfassungsänderung in Dänemark erfordern, was politisch, wenn man den Politikern und Politikerinnen zuhört, derzeit völlig ausgeschlossen ist.
00:13:21: Ja, und damit könnte die Geschichte eigentlich schon zu Ende sein.
00:13:25: Alles, was jetzt noch kommt zu dem Beitrag, ist das, was du zum Verständnis dieser Wirrenforderung aus den USA wissen musst, um dagegen halten zu können.
00:13:33: Es gibt eine neue Studie und die zündet die Diskussion nochmal richtig an.
00:13:37: Zur Frage, was soll Grünland kosten?
00:13:40: Das American Action Forum, allein der Name, oh mein Gott, ist ein einflussreicher Think Tank aus Washington.
00:13:48: Also so was wie eine Organisation von Experten, die politische, soziale und wirtschaftliche Themen analysiert.
00:13:54: um dann Lösungen zu entwickeln und Einfluss auf Politik und Wirtschaft und Meinungsbild zu nehmen, also auf die Öffentlichkeit.
00:14:00: Dieses AAF, also das American Action Forum, hat jetzt eine Analyse veröffentlicht, die die politische Welt komplett erschüttert.
00:14:08: Die haben nämlich rausgerechnet, wie viel Grünland kostet und ein Preisschild draufgeklebt.
00:14:12: Der Titel der Studie heißt sogar Pricing Greenland, also was kostet Grünland?
00:14:17: Wir sprechen jetzt auch nicht mehr von Millionen oder Milliarden, wir sprechen über Billionen.
00:14:23: Zwei Komma Acht, um ganz genau zu sein.
00:14:25: Diese Studie ist nicht nur eine rein akademische Einschätzung, es ist der Versuch der US-Regierung, insbesondere natürlich der republikanisch geführten unter Donald Trump, eine Rechtfertigungsgrundlage für nächste strategische Entscheidung zu liefern.
00:14:40: Also sie schreiben alles zusammen, ja das kostet das, das bringt das und das und das sehen wir auch, deswegen könnt ihr das jetzt verlangen aus der Sicht der Amerikaner.
00:14:48: Diese Studie versucht also das unschätzbare in Zahlen zu fassen.
00:14:52: Während die aktuelle Wirtschaftskraft Grönlands aktuell nämlich vergleichsweise klein ist und die Insel stark von dänischen Subventionen abhängig ist, explodiert aktuell der strategische Wert.
00:15:03: Wie eben gesagt bei Immobilien, Lage, Lage, Lage.
00:15:07: Das AAF bewertet die Insel aktuell auf zwei völlig unterschiedliche Wege.
00:15:12: Erstens der reine Rohstoffwert.
00:15:15: Grönland ist eine natürliche Lagerstätte für kritische Mineralien wie Eisenärzt, Kupfer, Zink, Blei.
00:15:21: Aber auch andere seltene Erden, Erdöl und Erdgas, hatte ich vorhin schon erwähnt.
00:15:26: Die Studie des American Action Forums unterscheidet bei der Bewertung jetzt präzise zwischen dem rein theoretischen Vorkommen im Boden und dem, was aus heutigen Bedingungen überhaupt abgebaut werden könnte.
00:15:37: Wirtschaftlich sinnvoll.
00:15:39: Also, man mag es kaum glauben, der Gesamtwert inklusive Öl und Gas liegt für Grönland bei vier Komma vier Billionen Euro.
00:15:49: Der Gesamtwert ohne Öl und Gas, und das musst du wissen, ist deswegen wichtig, weil die fossilen Brennstoffe wie Öl und Gas abgezogen werden müssen, denn Gründern vergibt gar keine neuen Öl-Lizenzen.
00:15:59: Da darf gar nicht mehr gefördert werden.
00:16:02: Deswegen, ziehen wir das mal ab, bleibt immer noch ein Gesamtwert von zwei Komma sieben Billionen US-Dollar.
00:16:09: Ohne Öl und Gas.
00:16:10: Dieser Wert entfällt dann ausschließlich auf Metalle, Gold, Diamanten und vor allem das, was man so in der Hightech-Industrie und beim Militär so gerne braucht, die seltenen Erden.
00:16:20: Diese Billionenwerte sind aber nur theoretisch.
00:16:24: Da die Gewinnung in der Arktis extrem teuer ist und viele Vorkommen unter dickem Eis liegen, sollte der aktuell wirtschaftlich gewinnbare Wert deutlich niedriger sein, bei gerade mal hundertsechsund achtzig bis zweieinhalb Milliarden Dollar.
00:16:37: Also wirtschaftlich gesehen bringt den Grönland nur zweieinhalb Milliarden Dollar, wenn sie es haben wollten.
00:16:43: Die zweite aber deutlich spektakuläre Berechnung basiert allein auf der geografischen und strategischen Lage im Nordatlantik.
00:16:51: In der heutigen geopolitischen Gemengelage mit schmelzenden Polkappen, die neue Handelsrouten zwischen Asien und Europa eröffnen und einer zunehmenden Militarisierung der Arktis durch Russland und China bewertet das Forum den strategischen Wert Grönlands auf bis zu zwei Komma acht Billionen Dollar.
00:17:06: Und das ist für die Fix.
00:17:08: Dieser immense Beitrag, nämlich ergibt sich laut Studie daraus, dass Grönland so was wie ein unsingbarer Flugzeugträger ist.
00:17:13: So nennen die das Teil.
00:17:15: Die nennen Grönland einen unsingbaren Flugzeugträger und damit eine Frühwahnstation im arktischen Ozean.
00:17:22: Die Kontrolle über die Insel würde den USA eben nicht nur Zugriff, exklusiven Zugriff auf riesige Fischereigründe und Ölreserven und so was sichern, sondern vor allem die Vorherrschaft über die künftigen logistischen Lebensadern des Nordens.
00:17:35: Warnung!
00:17:37: Ein solcher Deal, wie es Trump immer so geil findet, weil er so coole Deals macht und wie der jetzt auch in Washington diskutiert, wird es aber weit mehr.
00:17:45: Für Dänemark und vor allem für die gründelische Bevölkerung, die übrigens kein Bock hat, sich kaufen zu lassen, geht es um Selbstbestimmung und Identität.
00:17:52: Und für die NATO, also das, was unseren Laden hier so zusammenhält sicher als technisch, geht es um die gemeinsame Zukunft.
00:17:59: Wenn wir diese ganze verrückte Geschichte hören, dann sammeln wir doch mal Gegenargumente.
00:18:03: Was spricht denn dagegen, sinnvollerweise Grönland zu kaufen?
00:18:06: Erst mal, und da klammern wir mal den Ärger zwischen uns allen aus, weil es eigentlich gar nicht geht.
00:18:12: Erst mal die versteckten Kosten.
00:18:14: Es wird immer nur der vermeintliche Wert betont in diesen Studien.
00:18:17: Die massiven Investitionskosten aber, die werden vernachlässigt.
00:18:21: Der Abbau von Rohstoffen in der Arktis ist technisch nämlich hochkomplex und extrem teuer.
00:18:26: Da fehlen Straßen, da fehlen Tiefsehefen, da fehlen Stromnetze.
00:18:30: Und das Schmelzen von diesem Permafrostboden der jetzt ja auftaut, zerstört bereits jetzt bestehende Infrastruktur, also Häuser und Landebahnen.
00:18:38: Die haben ja alle auf Eis gebaut.
00:18:39: Wenn das jetzt wegschmilzt, bricht auch das Gebäude weg oder die Straße oder irgendeine Brücke.
00:18:44: Eine Übernahme Grönlands würde die USA zur Übernahme von massiven Klimafolgekosten verpflichten.
00:18:50: Und damit haben die sich ja sehr gut verhalten in der jüngsten Vergangenheit.
00:18:54: Klima ist Amerika ja voll wichtig.
00:18:56: Nicht.
00:18:57: So.
00:18:58: Und das kommt in dieser zwei Komma acht Billion Dollar Rechnung eben nicht vor.
00:19:01: Dann.
00:19:02: Keine Sicherheit, nächstes Gegenargument.
00:19:04: Diese Studie argumentiert ja, der Kauf würde die Sicherheit erhöhen wäre gut für die Vereinigten Staaten von Amerika.
00:19:11: Viele Sicherheitsexperten warnen aber vor exakt dem Gegenteil.
00:19:14: Diese aggressive Expansion der USA in der Region, also in die Arktis, könnte Russland und China noch mehr zu einer massiven militärischen Gegenreaktion bewegen.
00:19:23: Statt also einer Sicherheitszone könnte Grönland zum Zentrum eines neuen kalten Krieges werden.
00:19:29: Haben wir auch sogar so was wie im Fußballfeld.
00:19:31: Dann gehen alle da hin und in Schneeuniformen beschießen sich dann da oben.
00:19:34: Es ist da völlig bekloppt.
00:19:36: Und ich habe es eben schon angedeutet, noch ein Grund dagegen.
00:19:39: Die NATO zum Beispiel.
00:19:41: Alles, was uns den Frieden gebracht hat in jüngster Vergangenheit, weil wir ein Gegenargument hatten mit Amerika und Europa gegen Russland und China.
00:19:49: Wenn die USA versuchen, Territorien von Verbündeten zu kaufen oder zu klauen, davon reden wir auch schon.
00:19:55: Untergräbt das das Vertrauen innerhalb der NATO.
00:19:58: Warum sollten europäische Staaten mit den USA überhaupt noch kooperieren, wenn sie permanent befürchten müssen, als Lagerstätte betrachtet zu werden oder wenn sie Bock haben, einfach irgendwie eingekauft oder eingeklaut zu werden?
00:20:10: Das geht nicht.
00:20:12: Neben diesen ganzen politischen Sachen gibt es übrigens auch riesige ökologische Risiken.
00:20:16: Zum Beispiel massiver Bergbau, der dann kommen wird, machen wir uns nix vor, und die Öffnung neuer Schiffsrouten bedrohen eines der empfindlichsten Ökosysteme überhaupt von der Welt.
00:20:26: Wenn das ewige Eis Grünlands jetzt schmilzt und dunkler Fels oder Ozean zum Vorschein kommt, wird viel weniger Sonnenlicht reflektiert und mehr Wärme absorbiert.
00:20:35: Das beschleunigt dann die globale Erwärmung massiv.
00:20:39: Eine industrielle Erschließung mit Minenäfen und so was würde durch Russpartikel.
00:20:44: Da schmelzen noch mal Beschleunigen.
00:20:47: Und auch da machen wir uns nix vor, wenn die Amerikaner da erst mal wären, wenn da nirgends nix über eine Ölraffinerie und alles.
00:20:53: Dann Angst vor Radioaktivität.
00:20:55: Viele der wertvollen seltenen Erden in Grönland liegen neben Uran vorkommen.
00:21:00: Aha, die wollen auch Uran, ist ja klar warum.
00:21:03: Der Abbau würde riesige Mengen an radioaktiven Staub und chemischen Abfällen erzeugen.
00:21:08: Die sind dann in der arktischen Kälte kaum abbaubar.
00:21:11: Ein Unfall in diesem sensiblen Ökosystem.
00:21:14: ist komplett irreparabel.
00:21:16: Kannste nicht gegenangehen.
00:21:17: Und zur Schifffahrt gibt's auch noch ein Gegenargument.
00:21:19: Ein Ölunfall in eisigen Gewässern ist technisch nicht beherrschbar.
00:21:24: Da ist ja auch gar keine Struktur dahinter, keine Infrastruktur.
00:21:27: Es gibt keine für die schnelle Reinigung.
00:21:29: Und das Öl bleibt in einem kalten Wasser jahrzehntelang toxisch.
00:21:33: Alles scheiße.
00:21:34: Und unabhängig von der politischen Nummer und von der ökologischen Nummer, es geht ja auch so ein bisschen ums traditionelle Lebensweise.
00:21:42: Da lebt seit Ewigkeiten das Volk der Inuit.
00:21:45: Und Kritiker warnen jetzt, dass eine massive Industrialisierung die komplette traditionelle Lebensweise dieses Stamms zerstört.
00:21:51: Ohne, übrigens, dass der Profit bei der lokalen Bevölkerung ankommt.
00:21:55: Und ich glaube, das wissen die jetzt schon und deswegen haben die kein Bock, aufgekauft zu werden.
00:22:00: Was nehmen wir also mit aus der ganzen Nummer?
00:22:02: Die Bewertung Grönlands hängt extrem von der Perspektive ab.
00:22:06: Während der reine Marktwert quasi der abbaubaren Rohstoffe für etwa zweieinhalb Milliarden US-Dollar geschätzt wird, katapultiert die strategische Lage die Summe auf bis zu zwei Komma acht Billionen Dollar.
00:22:18: Das bedeutet, die USA zahlen nach dieser Logik nicht für das, was im Boden ist, sondern für den Platz auf der Weltkarte.
00:22:26: Das ist wie Risikospielen eigentlich.
00:22:28: Zweite Sache, die wir mitnehmen.
00:22:30: Menschen sind kein Immobilienmarkt.
00:22:32: Die Entscheidungsgewalt über Grönlands Zukunft liegt allein und einzig bei den siebenundfünfzigtausend Einwohnern vor Ort.
00:22:37: Ein Kauf gegen den Willen der Bevölkerung ist im modernen Volkerecht nicht vorgesehen.
00:22:43: Es ist illegal.
00:22:45: Und dritter Punkt, den wir mitnehmen.
00:22:48: Der strategische Wert Grönlands als unsinkbarer Flugzeugträger ist ein wirklich zweischneidiges Schwert.
00:22:54: Während die Einsagen eine Übernahme würde die US-Sicherheit erhöhen, warnen viele, viele Kritiker genau vor dem Gegenteil.
00:23:01: Ein einseitiger Vorstoß, Washington könnte das NATO-Bündnis auf morgen zerreißen und dann eine gefährliche Militarisierung der Arktis erzeugen.
00:23:10: Cool, ne?
00:23:11: Es ist krass.
00:23:12: Ein Ort, über dem wir Ewigkeiten nicht geredet haben, der irgendwo im Nichts im Weißen liegt, ist jetzt der Schaubplatz der Weltpolitik.
00:23:19: Es ist ein Spiel mit dem Feuer.
00:23:21: Oder, sagen wir mal, besser gesagt mit dem Eis.
00:23:24: mit dem schmelzenden Eis.
00:23:26: Und genau deswegen finde ich es so interessant und deswegen ist es so wichtig, dass man darüber Bescheid weiß.
00:23:30: Grönland aktuell ist der Schauplatz, an dem sich entscheidet, wie wir alle im einundzwanzig Jahrhundert mit Macht, Souveränität und unserem Planeten umgehen.
00:23:40: Das heißt, die nächsten Wochen und Monate entscheiden unglaublich viel.
00:23:44: Und wir haben noch nicht mal ein Monat rum im Jahr zwei tausend sechsund zwanzig.
00:23:53: Schnee bis in den neunten Stock.
00:23:56: Es ist auch siebter Stock zu lesen gewesen, aber neuen habe ich auch gelesen, klingt cooler.
00:24:00: Das ist bei einem Mittelwert übrigens von einer Standardgeschosshöhe ungefähr vierundzwanzig bis fünfundzwanzig Meter hoch.
00:24:07: Fünfundzwanzig Meter hoch liegt der Schnee an russischen Häusern.
00:24:11: Ganz auf der anderen Seite der Erde, weit nördlich von Japan im Pazifik, liegt die Halbinsel Kamtschatka.
00:24:19: Muss ich nachgucken, wusste ich nicht.
00:24:21: Bevor ich jetzt weitermache, Ich finde es super peinlich, was wir hier in den letzten Wochen in Deutschland als Schneekauss angekündigt haben.
00:24:28: Wir alle Panik gemacht haben vor Tief-Elli, glaube ich, hieß es.
00:24:32: Ey, das Tief-Elli war gegen das, was die Russen gerade erleben, nicht mal eine halbe Schneeflocke.
00:24:36: Ich habe jetzt die ganze Geschichte aus Russland, haben wir ja alle auch in den Nachrichten gesehen.
00:24:40: Dann habe ich den größten jemals gemessenen Schneefallrekord und das Jahrtausendeereignis vom Bodensee.
00:24:47: Liegt ein bisschen länger zurück.
00:24:49: Erst mal Kamchatka.
00:24:50: Die Bilder sind gerade auf Social Media überall, deswegen wollte ich es zum Thema machen.
00:24:53: Da liegt überall Schnee.
00:24:55: An einem riesengroßen Wohnblock bis fast ans Dach.
00:24:57: Da denkste sofort, es ist doch KI.
00:24:59: Ist es eben nicht.
00:25:01: Also erstmal zum Ort.
00:25:02: Kamschatka ist größer als Deutschland, hat aber weniger als dreihunderttausend Einwohner und ist Teil des pazifischen Feuerrings.
00:25:09: Hör ich das erste Mal.
00:25:10: Der pazifische Feuerring ist eine der geologisch aktivsten Regionen der Welt.
00:25:15: Kamschatka sind ein tausend zweihundert Kilometer lange Wildnis.
00:25:19: Und auf dieser Wildnis oder in dieser Wildnis liegen über einhundertsechzig Vulkanen und davon sind neunundzwanzig aktiv.
00:25:26: Lustig, dass man bei so vielen Vulkanen eigentlich jetzt nur über Schnee spricht.
00:25:30: Und genau dort spielt sich gerade ein Ausnahmeereignis ab, das von Einheimischen und Behörden bereits als Schneeapokalypse oder Jahrhundertwinter bezeichnet wird.
00:25:38: Die Halbinsil, die ohnehin für ihren rauen Winter bekannt ist, erlebt aktuell Schneemassen, die selbst die Kapazitäten der erfahrenen russischen Winterdienste sprengen.
00:25:46: Seit dem zwölften Januar schon, also jetzt seit acht Tagen, ziehen unaufförlich gewaltige pazifische Zyklonen über die Region, also Winde.
00:25:54: In der Hauptstadt Petoplavlovsk-Kamczatsky wurde am sechzehn Januar der Notstand ausgerufen.
00:26:00: Innerhalb weniger Tage sind über eins Komma drei Meter Neuschnee direkt in der Stadt gefallen, in der Stadt eins Komma drei Meter, also locker über Hüfte.
00:26:09: Und die Gesamtschneehöhe liegt in bebauten Gebieten bei über zweieinhalb Meter, während die Verwähungen dann bis zur neunten Etage von Bohrengebäuden reichen.
00:26:18: Der Flugverkehr ist eingestellt, Schulen sind geschlossen und Lebensmittelversorgung, also Brot und Milch, gerät komplett ins Stocken, weil die Lieferwagen einfach nicht mehr durch diese Schneekannions durchkönnen.
00:26:29: Die aktuelle Situation jedenfalls wird mindestens, mindestens als der schwerste Winter seit über dreißig Jahren eingestuft, Einige meteorologische Station melden aber sogar, dass die Niederschlagsmengen Rekorde gebrochen haben, die bis zu einhundert sechsundvierzig Jahre zurückreichen.
00:26:45: What?
00:26:47: Apropos Rekorde.
00:26:48: Jetzt war ich natürlich neugierig.
00:26:49: Wir können ja nicht nur über diesen einen Fakt berichten, ich werde natürlich auch recherchieren.
00:26:53: Bislang nämlich galt der Winter neunzehntneunundsechzig-siebzig in der Region als das große Schneeereignis von Kamtschatka.
00:27:01: Es wird berichtet, dass die Menschen damals in Petropavlovskamtschatzky, ich hoffe, das sage ich richtig, selbst Tunnel bauen mussten.
00:27:08: Tunnel aus ihren Fenstern im zweiten Stock, um überhaupt ins Freie zu gelangen.
00:27:13: Da Straßenschilder und Straßenlatern komplett unterm Schnee waren, verirrten sich Rettungskräfte permanent in ihren eigenen Stadtteilen.
00:27:19: Niemand kannte sich mehr aus.
00:27:21: Und Autos wurden erst im Mai wiedergefunden, als der Schnee dann endlich weggeschmolzen ist.
00:27:27: Meist waren diese Autos aber komplett zerquetscht vom Gewicht der Massen des Schnees.
00:27:30: Crazy!
00:27:32: Das ist der Rekord aus Kamptschatka.
00:27:34: Der größte Rekord, jemals gemessen aber für Gesamtschneefall, der liegt in Mount Baker in den USA.
00:27:41: Ninzeintachtundneunzig und neunundneunzig war das.
00:27:44: Mit achtundzwanzig Komma neun sechs Metern Gesamtschneefall in einer Saison hält das Mount Baker Skigebiet nämlich den absoluten Weltrekord.
00:27:53: Die Schneemassen waren damals so gewaltig, dass die Skilifte die Skilifte.
00:27:58: Teilweise ausgegraben werden mussten, damit die Sessel nicht im Schnee schleifen.
00:28:03: Und wir wissen alle, wie groß ein Schneelift ist.
00:28:05: Das Personal arbeitet damals mehr mit Schaufeln als mit Skiern, um die Gebäude vor der strukturellen Kollaps zu bewahren.
00:28:11: Also immer schön wieder Schnee vom Dach schippen.
00:28:13: Die krasseste Geschichte aus Deutschland, auch wenn es damals nicht Deutschland hieß, weil es so lange her ist, es hieß damals noch heiliges Römisch fürs Reich deutschen Nation, kommt aber von Lindau am Bodensee.
00:28:25: Und diese Geschichte ist aus fifteenhundertsechzig.
00:28:28: Historische Kroniken habe ich gefunden, die berichten von zweiundvierzig Tagen ununterbrochenen Schneefall.
00:28:35: Zweiundvierzig Tage!
00:28:37: Also weit über ein Monat lang nur Schnee.
00:28:40: Das ist ein Schneekaus und nicht Alli.
00:28:43: Das war einer der extremsten Winter in der Geschichte von Süddeutschland und der gesamten Alpenregion.
00:28:47: Es war die Zeit der sogenannten kleinen Eiszeit.
00:28:51: In diesem Jahr nämlich, fünfhundertsechzig auf einundsechzig, Er lebte der Bodenfrost eine der legendärsten Seegfrörenden, das also komplette Zufrieren des Sees, so nennt man das da unten.
00:29:01: Das Ereignis war so außergewöhnlich, dass es in zahlreichen Kroniken der Stadt und der Region festgehalten wurde.
00:29:07: Die Wolkenwand ist damals über Wochen nicht aufgerissen und die Schneemassen tömmen sich in den engen Gassen von der Inselstadt Lindau so hoch, dass die Erdgeschosse vieler Häuser komplett im Schnee verschwunden sind.
00:29:19: Zweiundvierzig Tage ununterbrochener Schneefall.
00:29:23: Der See ist damals so massiv zugefroren, dass die Trennung zwischen der Insel und dem Festland, sowie zu den Nachbarländern übrigens buchstäblich aufgehoben war.
00:29:30: Es gibt ein paar verbriefte Anekdoten aus diesem Winter, die es gegeben haben soll und die will ich dir mal erzählen.
00:29:35: Ich bin gespannt.
00:29:37: Die Chronisten berichten nämlich, dass das Eis so tragfähig war, dass nicht nur einzelne Fußgänger überall, sondern sogar ganze Pferdefuhrwerke und schwere Lastschlitten den Weg über den See nach Lindau und nach Pregels in Österreich oder sogar nach Romanshorn, die die Schweiz gewagt haben.
00:29:53: Es war also quasi ein regerrechter Marktbetrieb auf dem Eis.
00:29:56: Das Eis war jetzt Wohngelände.
00:29:58: Das Gute vom Zufrieren war übrigens, dass man dem Bodensee das erste Mal wirklich ausmessen konnte.
00:30:03: Da man nun erstmals nämlich den See begehen konnte, haben viele Bürger aus Lindau und den Nachbarstädten die Gelegenheit für eine frühe Form der Landvermessung genutzt.
00:30:11: Mit langen Seilen und Ketten sind die über das Eis gelaufen, um die Breite vom Boden sie exakt auszumessen.
00:30:17: Eine Messung, die vorher von dem Boot aus natürlich eben nicht so präzise möglich war.
00:30:22: Eine Geschichte gibt es auch noch hier die Hölzerne Stadtmauer aus Brennholz.
00:30:26: Die Kälte war so klirrend und hielt so lange an, dass in Lindau und auch im benachbarten Konstanz das Brennholz knapp wurde.
00:30:32: Die Not war so groß, dass der Stadtrat schließlich erlaubt hat, die Hölzernen Wehrgänge und Geländer der Stadtmauer abzureißen.
00:30:39: Also alles, was Holz war, durfte verfeuert werden, um in den Häusern nicht zu erfrieren.
00:30:45: Und jeder, der aus der Ecke kommt, kennt mit Sicherheit die Eisprozession.
00:30:49: In diesen raten Wintern ist nämlich entstanden oder verfestigte sich, das weiß man nicht so ganz genau, die Tradition der Eisprozession.
00:30:57: Die Hagenauer, das ist eine Gemeinde am See, droge eine Büste des heiligen Johannes über das Eis zum Schweizerufer in den Ort Münsterlingen.
00:31:06: Diese Tradition wird bis heute theoretisch beibehalten.
00:31:09: Erst wenn der See wieder komplett zufriert, wird diese Büsse zurückgeholt.
00:31:13: Das war das letzte Mal in der Niederscheinheit, seitdem ist sie an dem einen Ort und hängt da einfach um.
00:31:20: Aber der Vergleich zu Kampf Schadka ist gar nicht so weit weg.
00:31:22: Während man in Lindau damals, also um fifteenhundertsechzig, die Stille des Eises und den unendlichen Schneefall erlebt, ist die Situation in Kampf Schadka eher exakt das Gegenteil.
00:31:32: Da sind pazifische Orkaner unterwegs und es ist richtig laut und der Wind peitscht durch die Häuser und schiebt an den Schnee das ganze Haus hoch.
00:31:39: Das ist der Unterschied.
00:31:40: Beide Ereignisse haben aber auch was gemeinsam.
00:31:43: Das Gefühl der Isolation.
00:31:44: Die Bewohner sind komplett auf sich allein gestellt, während die Natur die gewohnten Verkehrsflüge einfach so auslöscht.
00:31:50: Und das nächste Mal, wenn wir hier in Deutschland von dem Schneekhaus sprechen, schäme ich mich gerade nochmal.
00:31:55: Das ist ein Schneekhaus.
00:31:59: Ach Mensch, was will er denn schon wieder?
00:32:01: Unser Bundeskanzler Friedrich Merz meint, wir wären zu viel und zu oft krank.
00:32:06: Aber sind wir kränklich und faul?
00:32:09: Das ist die durchschnittliche Anzahl an Krankheitstagen pro Arbeitnehmer in Deutschland im vergangenen Jahr.
00:32:15: Bundeskanzler Friedrich Merz hat also diese Zeit zum Einlass genommen, eine Debatte anzustoßen.
00:32:20: Eine Debatte, die tief an die Substanz unseres Wirtschaftsstandorts geht.
00:32:25: Aber jetzt mal ganz im Ernst.
00:32:27: Geht es hier wirklich nur um Faulheit oder steckt was ganz anderes dahinter?
00:32:32: Fangen wir mal mit der Position an, die unser Bundeskanzler Friedrich Merz vertritt.
00:32:36: Seine Kritik ist ja klar.
00:32:38: Ein Krankenstand von vierzehn Komma fünf Tagen und Experten schätzen, dass wir inklusive der ersten zwei Fehltage, die oft gar nicht in der Statistik auftauchen, eher bei so zwanzig bis zweinzwanzig liegen, ist ein massives wirtschaftliches Problem.
00:32:52: Das Hauptargument lautet ja, Weltbewerbsfähigkeit.
00:32:56: In einer Zeit, in der Deutschland ohnehin schon mit hohen Energiepreisen und einer schleppenden Digitalisierung kämpft, wirkt dann so ein Krankenstand wie so ein zusätzlicher Bremsklotz für die Wirtschaft.
00:33:06: Findet er doof.
00:33:08: Wenn Stellen im Schnitt drei Wochen oder länger ein Jahr umgesetzt bleiben, sinkt also die Produktivität.
00:33:14: Und für Unternehmen bedeutet das dann enorme Kosten für Lohnfortzahlung, ohne dass da irgendeine Gegenleistung erbracht wird.
00:33:20: März fordert also hier eine neue Leistungskultur und stellt die Frage, ob wir uns als Gesellschaft zu sehr in einer Komfortzone eingerichtet haben.
00:33:30: Etwa durch die Erleichterungen wie die telefonische Krankschreibung und sowas.
00:33:34: Also eigentlich im Untertext, wir sind faul und kränglich.
00:33:38: Jetzt die gesellschaftliche Perspektive, also die andere.
00:33:41: Das ist ja dann die Frage, ist das Symptom oder Ursache?
00:33:44: Und da wird die Diskussion nämlich hitzig.
00:33:47: Es gibt eine starke Gegenposition von den Gewerkschaften und Medizinern.
00:33:50: Die sagen nämlich, die vierzehn Komma fünf Tage sind kein Zeichen vermangelnder Moral, sondern eher ein Symptom von einer überlasteten Gesellschaft.
00:33:58: Aha!
00:33:59: Bevor wir da weitergehen, erst mal im europäischen Vergleich, habe ich mir gedacht, ist sehr interessant.
00:34:04: Wo liegt Deutschland im europäischen Vergleich mit dem Krankenstand von vierzehn Komma fünf bis fünfzehn Tagen?
00:34:10: Da liegen wir im obere Mittelfeld, habe ich rausgefunden.
00:34:13: Das stimmt.
00:34:14: Norwegen hat sechzehn bis achtzehn, ist in Europa also Spitzenreiter mit den kranken Tagen.
00:34:18: Danach kommt Belgien, danach Österreich und danach wir.
00:34:22: Aber, und das vergessen die immer, dieser Vergleich hinkt.
00:34:25: Die Zahlen sind nämlich wie Äpfel und Birnen miteinander zu vergleichen, weil die Sozialsysteme und Meldepflichten extrem unterschiedlich sind.
00:34:33: Die Debatte, die Friedrich Merz aktuell nämlich anführt, verschweigt ganz oft, warum Deutschland in diesen Statistiken schlechter dasteht als zum Beispiel Amerika oder Südeuropäische Linder.
00:34:42: Deutschland ist ja eines der wenigen Länder, in denen Arbeitnehmer ab dem ersten Tag hundert Prozent ihres Gehalts weiterbekommen.
00:34:48: In vielen anderen Ländern gibt es ja Karenztage.
00:34:51: Also drei Tage ohne Gehalt in Frankreich oder Island oder sowas.
00:34:55: Was dann dazu führt, dass kurze Krankheiten gar nicht erst gemeldet werden.
00:34:59: Warum auch?
00:35:00: Dann noch die elektronische Krankschreibung.
00:35:02: Seit der Einführung der EU, der elektronischen Krankschreibung, in Deutschland werden auch Kurzzeiterkrankungen ein bis drei Tage fast lückenlos statistisch erfasst.
00:35:12: Da der Arzt ja die Daten direkt an die Kasse sendet.
00:35:15: In Länder mit Papierformularen oder ganz ohne Meldepflicht für Kurzerkrankung tauchen die Tage in gar keiner Statistik auf.
00:35:22: Also wie will man das vergleichen?
00:35:24: In Länder mit geringem Kündigungsschutz oder ohne Lohnfortzahlung schleppen sich Menschen oft ewig krank zur Arbeit.
00:35:30: Weil warum soll man zu Hause bleiben, wenn man sowieso nichts kriegt?
00:35:33: Dann versucht man es wenigstens irgendwie.
00:35:35: Das senkt zwar die Statistik der Fehltage, schadet aber langfristig der Produktivität durch Ansteckung und Burnout.
00:35:42: Interessanterweise geht zu mich ein Thema, bei dem Deutschland wirklich fast Europameister ist.
00:35:47: Deutschland liegt interessanterweise bei dem psychischen Erkrankungen im europäischen Spitzenfeld.
00:35:52: Während Atemwegsinfekte und so kommen und gehen, sind es die langen Ausfallzeiten durch Depressionen oder Belastungsstörungen, die den Deutschen Schritt nach oben treiben.
00:36:00: Wir können einfach nicht mehr offenbar.
00:36:03: Eine einzelne Krankschreibung wegen Burnout wiegt statistisch soviel wie zwanzig Kollegen mit einem kurzen Schnupfen.
00:36:09: Boom.
00:36:11: Heißt also, Deutschland ist kein statistischer Ausreißer nach oben, wenn man ähnliche Sozialsysteme wie in Skandinavien oder den Benelux-Staaten als Maßstab nimmt.
00:36:20: Dass wir im Vergleich zu den zweitausender Jahren, damals so acht bis zehn Tage, deutlich höher liegen, hat also mehr mit einer besseren statistischen Erfassung und einer alternen, psychisch belasteten Belegschaft zu tun, als mit einer plötzlichen Unlust am Arbeiten.
00:36:35: Wir sind nicht faul.
00:36:37: Wir müssen uns also fragen, warum sind Menschen krank in Deutschland?
00:36:40: Wir sehen ja einen massiven Anstieg bei psychischen Erkrankungen und Burnout.
00:36:44: Die Arbeitsverdichtung hat zugenommen und wer da noch da ist und nicht krank macht, müsste ja quasi Arbeit derer mitmachen, die aufgrund des Fachkräftemangels jetzt fehlen.
00:36:52: Das ist doch ein Teufelskreis.
00:36:54: Und außerdem haben wir eine alterne Belegschaft, habe ich eben schon erwähnt.
00:36:57: Ältere Arbeitnehmer brauchen statistisch gesehen längere Regenerationsphasen.
00:37:02: So, Kritiker werfen unserem Kanzler jetzt also vor, Ursache und Wirkung zu vertauschen.
00:37:07: Die Menschen seien nicht krank, weil sie nicht arbeiten wollen, sondern weil die Arbeitsbedingungen sie krank machen, genau andersrum.
00:37:14: Und genau deswegen fühlen sich viele Arbeitnehmer durch die pauschale Kritik jetzt abgewertet.
00:37:18: Großes Problem ist ja dieser Präsentismus, also das Erscheinen beider Arbeit trotz Krankheit.
00:37:24: In Deutschland immer noch weit verbreitet und führt damit zu längeren Ausfallzeiten.
00:37:28: Die Debatte hat sich heute zu einer Grundsatzfrage entwickelt.
00:37:31: Ist Deutschland ein Land, das über seine Verhältnisse lebt?
00:37:34: Oder ein Land, das seine Menschen verschleißt?
00:37:37: Könnten wir doch mal eine große Diskussion zu machen.
00:37:39: Und nicht immer nur ihr seid schuld, es ist alles zu wenig.
00:37:42: Das ist mir auch zu einfach.
00:37:44: Immer nur zu pöbeln, dass wir alle zuvor sind oder dass hier irgendwas nicht funktioniert.
00:37:47: Das ist zu einfach.
00:37:49: Und ich erwarte mir vom Bundeskanzler ehrlich gesagt ein bisschen mehr.
00:37:51: Meine Meinung.
00:37:53: So, und wo stehen wir jetzt?
00:37:54: Klar, die vierzehn-einhalb Tage Krankheit sind eine Belastung für die Wirtschaft.
00:37:59: Das stimmt.
00:38:00: Aber eine Lösung wird kaum darin liegen, den Druck auf die Kranken weiter zu erhöhen.
00:38:04: Meine Meinung.
00:38:05: Es wird vielmehr darum gehen müssen, wie wir Arbeit so gestalten, dass sie gesund hält und gleichzeitig die Produktivität sichert.
00:38:12: Hat auch ein bisschen was mit dem Arbeitsumfeld zu tun, was man gestaltet.
00:38:16: Aber ich bin super interessiert.
00:38:18: Schreibt mir doch bitte mal.
00:38:19: Findest du die Kritik von unserem Kanzler notwendig?
00:38:21: Also ist das ein notwendiger Ruck oder ist das eher ein Schlag ins Gesicht?
00:38:25: Schreibt mal bitte, da bin ich wirklich interessiert.
00:38:27: Also ich finde, das war too much.
00:38:30: Ja, Faulenzen geht nicht, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Gesellschaft in Deutschland kein Bock hat zu arbeiten.
00:38:36: Es ist eher viel zu viel und funktioniert trotzdem nicht.
00:38:39: Und dann wäre es ein systemisches Problem.
00:38:42: Zum Abschluss habe ich hier noch was Lustiges.
00:38:43: Jedenfalls dachte ich, dass es lustig ist, und dann ließt man sich weiter rein.
00:38:50: Laut einer vielbeachteten Analyse von einer Investmentbank aus Amerika, die heißen Jeffries Financial Group, sind rund fünfhundertachzig Millionen US-Dollar die jährlichen Treibstoffersparnisse der vier größten US-Führgesellschaften.
00:39:05: Und das alles durch Abnehmenspritzen.
00:39:09: Was Leute herausrechnen?
00:39:11: Also... In der Luftfahrt gilt eine einfache Formel.
00:39:15: Weniger Gewicht, weniger Treibstoffverbrauch, mehr Gewinn oder weniger Kosten je nachdem.
00:39:20: Da Treibstoff eine der größten Kostenfaktoren für Airlines ist, so oft rund zwanzig bis zwanzig Prozent der Gesamtausgaben, hat jedes eingesparte Kilo eine enorme Wirkung.
00:39:31: Es gibt eine Analystin, Sheila Kayolu, und die arbeitet bei genau dieser Firma von Jeffries und die hat folgende Rechnung aufgestellt.
00:39:38: Wenn der Durchschnittspassagier Durch Medikamente wie Osempic oder Vigowi etwa zehn Prozent an Gewicht verliert, das sind ungefähr im Schnitt acht bis neun Kilo, sinkt das Gesamtgewicht eines vollbesetzten Flugzeugs spürbar.
00:39:52: Und ein um zehn Prozent geringeres Passagiergewicht würde das Abfluggewicht eines Flugzeugs um etwa zwei Prozent senken.
00:40:00: Ersparnis, diese zwei Prozent Gewichtsreduktion führen laut Jeffries zu einer Treibstoffersparnis von etwa eins Komma fünf Prozent.
00:40:08: Klingt erst mal wenig, aber.
00:40:10: Hier die konkrete Rechnung.
00:40:11: Die vier großen US-Airlines, also United, Delta, American und Southwest, geben zusammen im Jahr etwa thirty-neun Milliarden Dollar für Treibstoff aus.
00:40:21: Eine Ersparnis von einem Prozent sind dann mit dem Betrag fünfhundertfünfundachtzig Millionen Dollar.
00:40:28: Roundabout.
00:40:29: Also was ist das jetzt?
00:40:31: Ist das eine ernst gemeinte Prognose oder ist das ein PR-Gag?
00:40:33: oder was ist das jetzt hier?
00:40:35: Ich hab das ja selber auf Insta gesehen, wird gerade super viel geteilt und deswegen will ich das ein bisschen recherchiert haben.
00:40:41: Erstmal der historische Kontext.
00:40:42: Die ganzen Airlines sind natürlich seit Jahrzehnten besessen von Gewichtseinsparung.
00:40:47: Dafür gibt's ein paar bekloppte Beispiele.
00:40:49: United Airlines zum Beispiel nützt jetzt dünneres Papier für Boardmagazine, um jährlich zweihundertneusigtausend Dollar zu sparen.
00:40:56: Fast schon Bibelpapierdicke.
00:40:58: American Airlines hat in den achtziger Jahren eine einzige Olive aus jedem Salat der ersten Klasse rausgenommen.
00:41:05: hat damals vierzigtausend Dollar pro Jahr gespart.
00:41:08: Eine Olive pro Salat!
00:41:10: So, das ist das, wo wir herkommen.
00:41:13: Jetzt sprechen wir von diesen fünfhundertachzig Millionen Dollar, von der Rechnung wegen Osempig und so.
00:41:18: Das ist natürlich nur theoretisch und setzt auch voraus, dass ein signifikanter Teil der Bevölkerung diese Medikamente überhaupt nutzt und tatsächlich dann massiv an Gewicht verliert.
00:41:28: Und das weiß man natürlich gar nicht.
00:41:30: Einige Experten geben nämlich jetzt schon zu Bedenken das leichte Passagiere dann, vielleicht auf weniger Snacks an Bord kaufen oder die Airline durch den Trend insgesamt weniger Umsatz mit dem Verkauf von Speisen macht, weil die Leute ja weniger essen wollen.
00:41:43: Und das könnte die Ersparnisse, die wir gerade ausgerechnet haben, natürlich wieder neutralisieren.
00:41:47: Grundsätzlich könnten wir aber erstmal mit der These arbeiten, finde ich, und erstmal das Geld für Handgepäck nicht mehr einstreichen.
00:41:56: Weil wenn wir jetzt doch angeblich alle so viel abnehmen, dann braucht er für meinen kleinen Koffer nicht mehr bezahlen.
00:42:01: Damit könnten die guten Airlines nochmal mit gutem Beispiel vorangehen und uns doch mal zeigen, dass sie stolz auf uns sind, dass wir da mit einer gleichen Sache arbeiten.
00:42:10: Crazy!
00:42:16: Ich habe ja gesagt, ihr sollt gerne mal schreiben, so Feedback auf die Folgen und so, wie ihr sowas findet.
00:42:27: Und mir ist ein Post vor allem aufgefallen.
00:42:29: Vielen Dank übrigens für alle eure Post.
00:42:30: Ich lese die ja, wie ihr seht, ich antworte ja auch.
00:42:32: Aber Krishi hat mir aus Bautify geschrieben.
00:42:36: Ich zitiere, mir ist aufgefallen, dass du das Fach Religion in einem Nebensatz infrage gestellt hast.
00:42:41: Meiner Meinung nach ist es aber unbedingt nötig, gemeinsam mit Ethik Weil es z.B.
00:42:46: Themen wie ein glückliches Leben ergibt, sich aber auch Gedanken über Anstand, Höflichkeit und Fairness im Umgang miteinander macht.
00:42:51: Und das halte ich gerade im Umgang mit KI in der heutigen Zeit für wahnsinnig wichtig.
00:42:56: Grischi sehe ich zu hundert Prozent auch so.
00:42:59: Dazu muss ich zur Einschätzung folgendes sagen, ich habe es nicht so mit Religion.
00:43:03: Das habe ich hier schon mal gesagt.
00:43:04: Ich bin zwar getroffen worden damals evangelisch, luterisch, hatte auch Konfirmation und so was, aber irgendwie habe ich den Zugang zu Religionen für mich nie gefunden.
00:43:13: Heißt nicht, dass ich den Leuten Religion nicht gönne.
00:43:15: Soll jeder an seinen Religionen glauben.
00:43:18: Ich finde nur missionierende Katastrophe.
00:43:20: Und wenn ich mich an den Religionsunterricht erst meiner Schulzeit erinnere, musste man sich ja auch noch entscheiden.
00:43:25: Hast du evangelische Religion?
00:43:26: Hast du katholische Religion?
00:43:28: Dafür gab es immer ein Unterricht.
00:43:29: Allein das ist doch total bescheuert.
00:43:31: Es hat damals schon Ewigkeiten gedauert, bis man endlich Werte und Normen hatte oder irgendwie ein übergeordnetes Schulfach.
00:43:37: Da wäre ich nämlich dann wieder mit an Bord.
00:43:40: Also wenn wir einfach hätten, was sich von mir aus Religionswissenschaften oder Ethik oder Werte und Normen nennen würde, wo man über alle Religionen komplett spricht, damit wir Verständnis haben, füreinander.
00:43:53: Und damit wir verstehen, wie schlecht und wie mies manche Sachen interpretiert werden, um im Namen der Religion Scheiße zu bauen.
00:43:59: Egal übrigens Christen, Muslime, wie auch immer.
00:44:02: Das ist völlig wurscht.
00:44:03: Jede Religion hat da Dreck am Stecken, weil sie vermeintlich immer für ihre große Schrift das Richtige tun.
00:44:08: Und das finde ich schrecklich.
00:44:10: Und missionieren, wir sagen, andere Leute voll labern, wie toll die eigene Religion ist, das fand ich immer schrecklich.
00:44:16: Man kann das im Gespräch anmerken, was einem selbst das gibt und kann sagen, was man da gefunden hat, aber nicht sagen, meine Religion ist cooler als die anderen.
00:44:24: Denn das ist immer gelogen, immer.
00:44:27: Das war nur ein Gedanke dazu.
00:44:28: Also vielen Dank, Christi, für deinen Einwand.
00:44:31: Da war ich ein bisschen holtschnittartig und habe zu früh Religion abgewarzt.
00:44:36: Aber da ging es ja um das Schulfach glücklich sein und das fand ich irgendwie ein bisschen cooler als Wort.
00:44:40: Vielleicht machen wir glücklich sein einfach als Schulfach und machen da Religion mit rein.
00:44:44: Denn viele sind ja glücklicher mit Religion.
00:44:47: Why not?
00:44:48: Schreibt mir mal.
00:44:49: Schreibt mal Kommentare bei Spotify.
00:44:51: Schreibt mal bitte fünf Sterne.
00:44:55: Und wieder Hausaufgabe.
00:44:56: Sorry, es ist auch, nein, auch heute ist Hausaufgabe.
00:44:59: Auch heute sagst du bitte wieder drei Leuten Bescheid, dass dieser Podcast total nett ist.
00:45:02: Der Typ da Mikro-Totalnetto-Typ.
00:45:05: Und dass mein neblossigen Geschichten auch ein bisschen was mitnimmt.
00:45:08: Das wäre mir das allerliebste.
00:45:10: Denn immer wenn man gegenseitig was mitnimmt und sich gegenseitig tolle Sachen empfiehlt, dann haben wir ein Diskurs, dann haben wir ein Dialog und dann ist die Gesellschaft ein bisschen netter zueinander.
00:45:18: Ich habe mir fest vorgenommen, Leute mehr anzulächeln, mache ich ja ohnehin schon, aber ich merke selber, oft läuft man mit so einer Fresse durch die Gegend und dann macht man die Gesellschaft auch nicht cooler und das umfällt auch nicht.
00:45:28: Netter sein, lustig sein, Komplimente machen, das könnte klappen.
00:45:32: Das ist mein... Guter Vorsatz bis zum nächsten Episode am Freitag.
00:45:37: Das war Zeittag für heute.
00:45:38: Vielen Dank für deine Geduld.
00:45:39: Vielen Dank für deine Aufmerksamkeit.
00:45:41: Und wir hören uns.
00:45:42: Ciao, ciao, ciao, ciao.
00:45:43: Ciao.
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