#043 - SPEZIAL: "Iran: Der Kampf um die Zukunft" mit Daniela Sepehri
Shownotes
In diesem Zahltag-Spezial ist die deutsch-iranische Journalistin, Aktivistin und Poetry-Slammerin Daniela Sepehri zu Gast. Gemeinsam blicken wir auf die aktuelle Lage im Iran: ein Land mit bis zu 93 Millionen Menschen, einer realen Inflation von rund 50 Prozent, landesweiten Protesten seit Ende 2025 und einem Regime, das mit Gewalt, Internetabschaltungen und Massenverhaftungen reagiert. Es geht um den Alltag unter Repression, die Rolle der jungen Generation, die Brüche seit der Revolution von 1979, internationale Reaktionen und die Frage, wie Widerstand, Hoffnung und Solidarität unter diesen Bedingungen möglich bleiben.
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Redaktion & Host: Daniel Boschmann (danielboschmann.com) • Schnitt & Produktion: Kevin Blume (kevinblume.de)
Transkript anzeigen
00:00:00: Hi!
00:00:01: Heute mache ich hier in diesem Podcast was ganz Neues.
00:00:04: Normalerweise tue ich mich ja Dienstags mit dem wichtigsten Themen ganz alleine aus und freitags lade ich dann für uns alle einen Gast ein.
00:00:11: Nach meinem Spezial zu skrupellosen US-Einweiterungsbehörde ICE in Folge einundvierzig, kannst du gerne nachholen, ist ja immer noch online, habe ich bis heute viel Feedback bekommen und dafür möchte ich mich nochmal ausdrücklich bedanken.
00:00:26: Was ihr geschrieben habt, wie viele geschrieben habt, wie viele konstruktive Kritik dabei war, wie viele Wünsche dabei waren.
00:00:31: Das bedeutet mir sehr viel und das macht diesen Podcast für mich umso bedeutender, weil man das Gefühl hat, hey, das macht tatsächlich Sinn, was man da macht.
00:00:40: Deswegen habe ich mich heute dazu entschieden, ein weiteres Spezial zu machen.
00:00:44: Ich möchte mich an einem Spezial widmen, das mich unheimlich berührt.
00:00:48: Ich möchte mich dem Iran widmen.
00:00:51: Jeden Tag erreichen uns in Deutschland gerade Bilder, die man kaum ertragen und gleichzeitig überhaupt fassen kann.
00:00:57: Ich verstehe dabei übrigens auch jeden Menschen, der sagt, ich kann das nicht.
00:01:00: Ich kann mir das nicht angucken.
00:01:01: Das ist zu grässlich.
00:01:03: Das ist zu viel.
00:01:05: Zumal man das Leid ja oft überhaupt nicht einordnen kann.
00:01:08: Was bedeutet das da?
00:01:09: alles, was wir da auf den Straßen sehen?
00:01:11: Brennende Häuser, tote Menschen auf der Straße.
00:01:14: Gleichzeitig dürfen wir aber nicht komplett wegschauen.
00:01:18: Denn wenn eine Bevölkerung jeden Tag für ihre Freiheit und gleichzeitig ums Überleben kämpft, dann müssen wir hinschauen und müssen helfen.
00:01:26: Und ich habe selbst festgestellt, dass ich viel zu wenig weiß, um fundiert mitreden zu können.
00:01:31: Viele Dynamiken sind mir auch einfach nicht bekannt.
00:01:34: Und das möchte ich in dieser Folge für uns alle ändern.
00:01:37: Schön, dass du dabei bist.
00:01:50: Es ist Dienstag, der dritte zweite, zwei tausendzechsundzwanzig.
00:01:54: Hier ist Daniel Boschmann mit Zahltag.
00:01:55: Wir rechnen mit der Woche ab.
00:01:57: Ich schnappe mir die aktuellen Zahlen mit den Geschichten daneben und dahinter.
00:02:01: Erst die Meldung, dann das Abschweifen.
00:02:02: Das ist hier der Auftrag.
00:02:04: Heute mit einem ganz besonderen Gast zu einem ganz besonderen Thema.
00:02:08: Ich habe mir eine Expertin eingeladen.
00:02:10: Zum allerersten Mal.
00:02:12: Und das aus zwei Gründen.
00:02:13: Zum einen kann ich mir selbst bei intensivster Recherche nicht ihre Expertise aufschaffen.
00:02:18: Und zum anderen kann sie uns allen einen sehr persönlichen und fast privaten Blick in den Iran ermöglichen.
00:02:24: Sie ist eine deutsch-iranische Autorin, Moderatorin und Aktivistin.
00:02:28: Sie engagiert sich in den Bereichen Antirassismus, Feminismus und Klimagerechtigkeit.
00:02:33: Und sie gehört eben zu jener jungen Generationen von Medienschaffenden, die gesellschaftliche Themen mit einer eindeutigen Haltung und klarer Sprache adressieren.
00:02:41: Und deswegen habe ich sie eingeladen, aber nicht nur deswegen.
00:02:44: Ich habe sie am Freitag erst kennengelernt im Frühstücksfernsehen, in einem Interview.
00:02:48: Ihre eindringlichen Schilderungen über das Leid und den Mut der Iranerinnen und Iraner haben mich so bestürzt, dass mir die Tränen gekommen sind.
00:02:55: Und da habe ich gedacht, die Frau möchte ich näher kennenlernen.
00:02:58: Ich möchte mehr von ihr hören, denn von ihr allen, von ihr können wir alle sehr viel lernen.
00:03:03: Ich freue mich sehr auf und über Daniela Zeperi.
00:03:05: Guten Morgen.
00:03:06: Hi.
00:03:07: Jetzt habe ich aus dem Reflex Guten Morgen gesagt.
00:03:09: Erst mal Hallo.
00:03:11: Hi.
00:03:13: Daniela, ich freue mich sehr, dass du dir die Zeit nimmst.
00:03:16: Ich habe nämlich festgestellt, dass ich nicht mehr weggucken will, was in Iran angeht, aber ich habe gleichzeitig festgestellt, ich weiß viel zu wenig.
00:03:23: Selbst wenn ich viel lese, habe ich das Gefühl, ich verstehe bestimmte Sachen nicht.
00:03:27: Und das ist das, was ich mit dir heute vorhabe.
00:03:29: Ich würde mit dir unglaublich gerne die Brücke zwischen Fakt und Emotion und Gefühl schlagen, wenn das okay für dich ist.
00:03:35: Es ist so, ich habe das Gefühl, wir lesen alle sehr viel.
00:03:38: Was meinst du denn?
00:03:39: Was ist der am weitesten verbreitete Irrtum, den wir hier in Europa über die aktuelle Situation im Iran haben?
00:03:46: Das, was mir so als erstes einfällt, was wir grundsätzlich zum Thema Iran ihr tümlicherweise denken, ist immer noch, dass es so ein Wettbewerb gibt zwischen Reformer und Hardliner.
00:03:59: Wobei der Menschen im Iran aber schon seit über einem Jahrzehnt klar ist, dass es keine Reformen mehr in diesem Regime gibt.
00:04:04: Aber trotzdem wird jedes Mal, wenn ein neuer Präsident gewählt, Landfunkstrichen werden soll.
00:04:09: Der Gehör zum Lager, der Hardliner, der Gehör zum Lager, der Reformer.
00:04:12: Dabei sagen die Menschen, die Reformer sind noch schlimmer, weil die sind genauso schlimm wie die Hardliner, aber die haben so eine Maske auf, wo dann die Europäer und die Amerikaner dann gerne mit denen verhandeln, weil sie denken, das ist ja der Reformer.
00:04:24: Aber wenn wir uns jetzt anschauen, jetzt der aktuelle Präsident, Pessigian, der wurde auch immer als Reformer geframed, obwohl er selber immer wieder gesagt hat, ich will ja keinen Reformer, net mich nicht so.
00:04:34: Der Mann hat im letzten Jahr zweitausend Menschen hinrichten lassen.
00:04:37: mehr als sein Hardlinervorgänger in den Anfangstrichen vor ihm.
00:04:42: Was nicht bedeutet, die Hardliner sind weniger schlimm, sondern die sagen, sie sind Hardliner.
00:04:48: Die Reformer sind auch Hardliner, die tun nur so nach außen, als wären sie es nicht.
00:04:52: Und ja, im besten Fall immer wieder darauf rein.
00:04:55: Und ich glaube, dass wir das immer noch nicht geschafft haben zu unterscheiden.
00:05:00: Das ist so, glaube ich, mit eines der größten Versagen deutscher Medien.
00:05:05: Ich habe mir heute vorgenommen, mit dir vor allem alle mitzunehmen, die sich nicht mehr trauen Nachrichten zu gucken, weil sie das denken, ich schaffe das einfach nicht.
00:05:12: Es ist mir zu viel und deswegen will ich vielleicht auch ein bisschen früher als andere Medien anfangen, um so ein Grundverständnis für den Iran erstmal zu sammeln und auch, was der Alltag wirklich im Iran hergibt.
00:05:23: Ich würde gerne mit dir heute über die politische Gemengelage und Strömungen sprechen, so ein bisschen die internationale Sicht Deutschlands auch.
00:05:30: Dann das emotionale Herzstück eigentlich, also der Aktivismus aktuell und deine Hoffnung vielleicht sogar oder die Hoffnung der Iranerin und Iraner.
00:05:37: und dann zum Abschluss, was können wir tun?
00:05:39: Anfang würde ich aber gerne erst mal im Augenblick bleiben.
00:05:43: Viele von uns lesen Schlagzeilen, schauen Nachrichten.
00:05:46: Das sind dann Fakten.
00:05:48: Du liest genau diese Nachrichten als private WhatsApp-Nachrichten im Fall der Fälle von Menschen, die dir irgendwie nahestehen.
00:05:55: Wie gelingt dir der Spagat zwischen der Kühenjournalistin und dem Mensch, der sich Sorgen um Menschen macht.
00:06:03: Ich habe über die Jahre, meine Therapeutin würde sagen, leider perfektioniert quasi das private von meinem beruflichen und von meinem Aktivismus zu trennen.
00:06:14: So dass es im Grunde zwei Persönlichkeiten vor allem gibt.
00:06:17: Die eine, die sich da ganz neutral Bilder von Leichen ansehen kann und die andere, die dann aber zwischendurch so weit mit was ruhiger wird daran Halbzerbericht, Entreenausbericht.
00:06:30: Aber ich glaube, in diesem Beruf muss man es irgendwie lernen, das auch für eine Weile von sich abbrennen zu lassen.
00:06:36: Sonst kann man keinen Tag durchhalten.
00:06:39: Aber das ist dann auch gleichzeitig sehr wichtig, dass ich trotzdem Wege finde, wie ich mich nicht komplett von meinen Gefühlen abkopple und trotzdem immer wieder zu meinen Gefühlen finde.
00:06:48: Und genau.
00:06:50: Es ist mir ja letzte Woche nicht gelungen.
00:06:52: Also wir haben beidem miteinander gesprochen und im Live-Fernsehen musste ich weinen, weil ich das nicht mehr ertragen konnte, was du mir erzählt hast.
00:06:58: Ich habe dich nach unserem Gespräch, als die Kamera dann aus war, habe ich dich gefragt.
00:07:02: Also erst mal habe ich um Entschuldigung gebeten, weil ich es irgendwie, ich fühlte mich irgendwie unwohl.
00:07:05: Ich habe kein Problem, Tränen zu vergießen, aber dachte, du warst so souverän und hast mich ja letztendlich auch durch das Gespräch getragen.
00:07:11: Dafür habe ich mich ja auch bedankt.
00:07:13: Und dann haben wir kurz einen Moment gehabt und du sagtest ja, Daniel, wenn ich jetzt hier noch als Migrantin noch in Tränen ausbreche und das noch als junge Frau, dann würden sie mir alle Vorwerfen, die übertreibt.
00:07:23: Ja.
00:07:23: Ist es wirklich so schlimm?
00:07:24: Das ist so... Das ist, wenn du als nicht betroffener Mann weinst, dann hast du, glaube ich, auch in den Kommentarspalten gesehen.
00:07:32: Wann alle so, oh, wie toll, der hat Herz, dann ist man so berührt.
00:07:36: Wenn ich es als Frau ist sowieso, als Frau kann man sich sowas nicht erlauben, Gefühle zu zeigen, weil dann ist man so emotional und unprofessionell.
00:07:44: Und dann auch noch als Frau mit Verbindungen.
00:07:46: Dann ist das, die kann ja gar keine Distanz haben.
00:07:49: Das ist ja ... Auch so.
00:07:51: in vielen Redaktionen ist es ja immer so, das bekomme ich von Kolleginnen ganz viel mit, dass sie nicht zu Iran schreiben dürfen, wenn sie Iranerin sind, weil dann sind sie ja zu nah dran, dann sind sie ja nicht neutral genug in Anführungsstrichen.
00:08:03: Nach meinem Verständnis gibt es keine Neutralität im Journalismus.
00:08:06: Wenn ich dann also quasi als Iranerin Tränen zeige, dann bin ich nicht nur eine unprofessionelle Frau, sondern auch noch eine unprofessionelle Journalistin und Aktivistin.
00:08:15: und ja.
00:08:16: Wo kämen wir dahin, wenn Frauen plötzlich öffentlich Gefühle zeigen dürfen?
00:08:19: Ja, ist ja widerlich.
00:08:20: Das Partei der Stateless Grüßen.
00:08:22: Ja, es ist wirklich so.
00:08:23: Ist ganz schlimm.
00:08:24: Interessant, aber dass du schon ansprichst, du bist ja aus einer neuen Generation von Journalistinnen, die jetzt schon verstanden haben, dass nicht das oberste Gebot Neutralität ist, sondern transparente Positionierung, glaube ich, würde man das heute nennen, dass man ungefähr auch schon weiß von der Person, wofür sie eigentlich im Grunde steht und trotzdem noch mit dem Handwerk des Journalismus All das dafür tut, dass das, was man dann sagt, nicht rein manipulativ ist, sondern eben auf Fakten basiert.
00:08:50: Ich glaube, dieser Anspruch an Neutralität ist auch schon eine politische Positionierung.
00:08:56: Also beispielsweise wen lasse ich in meinen Berichten zu Wort kommen und wie viel?
00:09:01: Wen frage ich nach Zitaten an?
00:09:02: Es gibt ja mal dieses Both-Sidesen, also beide Seiten zu Wort kommen lassen, was so eine falsche Ausgewogenheit herstellt.
00:09:08: Und selbst dann, wenn du zum Beispiel eine staatliche Qualität zitieren willst und dann eine Menschenrechtsorganisation, ist es ja schon superpolitisch, wen lässt du zuerst zu Wort kommen und wen danach, weil das danach ist, dass was bleibt.
00:09:20: Mit jedem Wort, das wir setzen, sind wir politisch.
00:09:22: Deswegen gibt es keine Neutralität im Journalismus.
00:09:25: Und diejenigen, die immer noch sagen, ja, man kann nicht Aktivisten und Journalisten sein, doch im Idealfall setzt sich jeder Journalist auch so für ein Thema ein.
00:09:35: Und damit hat man für mich schon, dass die Definition des Aktivismus erfüllt.
00:09:39: Das machen wir jetzt mit dem Iran.
00:09:40: Was war die letzte Nachricht, die du aus dem Iran bekommen hast?
00:09:42: Welche hast du gelesen auf deinem Handy?
00:09:44: Ähm...
00:09:46: Anders gefragt.
00:09:47: War es eine gute oder eine schlimme Nachricht?
00:09:49: Eine schlimme Nachricht.
00:09:50: Herr Kart überlegt, wie ich das freundlich formuliere.
00:09:53: Es hat mir jemand ein Bild geschickt von der von nur einem Eigenangehörigen im Leichenhaus Blut überströmt und hat mir Details über die Person gegeben und gebeten, das an die UN weiterzuschicken.
00:10:08: Genau, und da hatte ich gerade mit einer Person darüber geschrieben.
00:10:11: Das hatte ich befürchtet.
00:10:12: Und du musst ja fast immer damit rechnen, wenn es gerade vibriert, dann kommt irgendeine Nachricht, die man ganz, ganz schrecklich findet.
00:10:18: Damit wir alle mitnehmen, würde ich gerne einmal uns einen großen Überblick verschaffen.
00:10:22: Einen groben Überblick über den Iran.
00:10:25: Die Iran im Januar, zwanzigzehnt.
00:10:27: Und du kannst mir immer reingreden.
00:10:28: Ich habe wirklich alles recherchiert, beim besten Wissen und Gewissen, aber solltest du etwas anderes wissen und vor allem anders meinen, Du hast hier absolut einen Freibrief, sag bitte sofort, das stimmt nicht oder sehe ich anders.
00:10:38: Mache ich.
00:10:39: Im Iran leben aktuell ungefähr siebenundachtzig bis dreinneinzig Millionen Menschen, so ganz genau weiß man es nicht.
00:10:45: Davon sind etwa sechzig bis siebzig Prozent unter dreißig Jahre alt.
00:10:48: In Deutschland sind gerade mal achtundzwanzig Prozent unter dreißig.
00:10:53: Der Iran ist also ein extrem junges Land, das digital vernetzt ist eigentlich.
00:10:58: aber unter massiver Zensur leidet.
00:11:00: Seit Ende Dezember, twenty-fünfundzwanzig protestieren Iranerinnen landesweit gegen eine tiefe Wirtschaftskrise mit hoher Inflation, bei sehr hoher Arbeitslosigkeit und gleichzeitig starken Werteverlust der Währung.
00:11:14: Die Inflation aktuell liegt bei rund fünfzig Prozent.
00:11:17: Das bedeutet, dass die Preise im Durchschnitt eines Jahres sich fast verdoppelt haben und bei Grundnahrungsmitteln, also Brot, Fleisch, Gemüse, liegt die Teuerungsrate oft weit über sechzig bis über siebzig Prozent.
00:11:30: Und aus einem reinen wirtschaftlichen Unmut ist dann jetzt, so habe ich es verstanden, eine breite politische Bewegung geworden, die das autoritäre System mehr als infrage stellt.
00:11:40: Die Proteste sind laut Journalistinnen und Menschenrechtsgruppen die größten seit der großen Revolution von neunzehntundundsebzig.
00:11:47: Und deswegen schlagen die iranischen Sicherheitskräfte, also die Polizei, wenn man sie so nennt, paramilitärische Revolutionsgarten und andere Einheiten, massiv gegen Demonstrierende vor.
00:11:58: Also sie gehen mit aller Härte vor.
00:12:02: Tausende wurden getötet, viele weitere sind verletzt, Zahlen variieren da sehr stark zwischen offiziellen Angaben und externen Schätzungen.
00:12:09: Einige Menschenrechtsgruppen, wie zum Beispiel Amnesty International, sprechen von mehreren Zehntausend Toten durch Sicherheitskräfte.
00:12:15: Dreißig bis Vierzichttausend habe ich als Letztes gelesen.
00:12:18: Es gibt Berichte über Massenverhaftungen und Mishandlungen in Gefangenschaft.
00:12:22: Und man muss sagen, der Iran ist abgekoppelt.
00:12:25: Der Iran hat Internet- und Telefonverbindung wiederholt, immer wieder eingeschränkt, um genau diese Mobilisierung und vor allem die Informationsverbreitung zu erschweren.
00:12:33: Das ist, soweit ich den Iran kenne, aktuell der Stand.
00:12:37: Und ich frage mich jetzt als allererstes, wie viel Kraft bleibt dem Menschen bitte dennoch für den Widerstand, wenn das täglich überleben alle Energie frisst?
00:12:47: Also ganz dumm formuliert, man hat nichts zu beißen.
00:12:51: Und genau deswegen daher kommt diese Energie auf die Straße zu gehen.
00:12:55: Das sagen die Menschen schon seit Jahren.
00:12:57: Also wenn ich nicht durch die Proteste sterbe, dann sterbe ich an Hunger, dann sterbe ich auf der Straße, weil ich von irgendwelchen Zittenbächtern festgenommen, verprügelt, zur Tode verprügelt werde, wie Gina Amini beispielsweise, Nach ihr Ormita Gerdauband, siebzenjähriges Mädchen, was in der U-Bahn von einer Sittenwächterin zur Tode geprügelt worden ist.
00:13:18: Wenn man in dieser absoluten Unfreiheit lebt, wo jeder Aspekt des Lebens durch das Regime zur Katastrophe gemacht worden ist, dann geht man auf die Straße.
00:13:29: Weil man hat dann genug davon.
00:13:30: Also das klingt gesagt, die Mehrheit der Menschen im Iran, zwei Drittel der Bevölkerung sind junge Menschen.
00:13:36: Und die allermeisten von denen sind Akademiker, die haben Top-Universitätsabschlüsse.
00:13:40: Nach meinem letzten Kenntnisstand haben wir sogar eine höhere Abschlussquote bei Frauen als bei Männern.
00:13:46: Es ist als das iranische Paradox, genau das habe ich auch gelesen.
00:13:48: Es gibt unglaublich viele Frauen.
00:13:51: Rund sechzig Prozent der Absolventen der Universitäten im Iran sind weiblich.
00:13:55: Es war zwischendurch sogar noch mehr als sechzig Prozent und das Regime hat dann versucht an einigen Unis so eine Männerquote einzuführen.
00:14:04: Ich glaube, das einzige Land der Welt, was über Männerquoten mal nachgedacht hat.
00:14:07: Aber eben weil die Menschen sind top ausgebildet, wenn die in einer freien Welt leben würden, dann werden das alles wirklich, die würden die Welt trocken.
00:14:16: Und im Iran sind Menschen, die Architektur studiert haben, aber dann Taxifahrerinnen und brauchen noch zwei weitere Jobs daneben und müssen am Ende des Monats trotzdem in einem Restaurant im Müll wühlen, um irgendwie nach was es ist, barum zu finden.
00:14:29: Die haben die Schnauze voll.
00:14:30: und dann sind es Menschen, die gleichzeitig vernetzend mit der Welt.
00:14:33: die aber sehen, dass eine andere Welt möglich ist, dass es möglich ist, in Freiheit zu leben.
00:14:38: Und deswegen, das sind nicht Leute, die alles Politikwissenschaften studiert haben und deswegen jetzt beschlossen haben, dieses System zu funktionieren.
00:14:46: Das sind ganz normale Menschen, die sehen, dass das ganz normale Leben nicht funktioniert mit diesem Regime, aber dass es möglich ist, ein ganz normales, stimmt normales Leben zu haben.
00:14:56: Das besingt ja auch, um Jahrzehnte und zweiundzwanzig bei den Protesten wurde ja das Lied von Schävenhaar Gipur, Barreille wurde ja quasi zur Bündner der Bewegung, hatten Grammy gewonnen und so weiter.
00:15:07: Das singt ja, wofür die Menschen auf die Straße gehen.
00:15:08: Das ist wirklich für die Umwelt, für Tierschutz, für die vielen Menschen, die immer wieder sterben, für die Intellektuellen, die in den Gepängnissen sitzen.
00:15:17: Also es ist wirklich für das Bear-Minimum, für die Kinder, die auf der Straße Müll wühlen, weil sie was zu essen suchen.
00:15:23: Dann empfehle ich wirklich mal die Übersetzung, dieses Textes mal anzuschauen, weil es verbindet, glaube ich, all die Kämpfe, die im Iran gekämpft werden.
00:15:28: Das ist alles miteinander verknüpft, die Wirtschaftskrise, die Umweltkrise.
00:15:33: Ich möchte daran erinnern.
00:15:34: Im Sommer gab es ganz viele Berichte dazu, dass es eine Wasserkrise im Iran gibt, dass in einigen Stellen sogar das Wasser abgeschaltet wird.
00:15:40: Es fängt jetzt schon durch diese absurde Überlegung von dem Präsidenten per sich gern, ob man die Hauptstadt verlegt, was de facto nicht möglich ist.
00:15:47: Aber ja, all diese Krisen, und da nimmt sich die Menschen einig, die ... kommen durch das Regime.
00:15:53: Und es kann nur Verbesserung ohne dieses Regime geben.
00:15:56: Ich habe eine große Erkenntnis hatte ich mit dir, als wir uns unterhalten haben das erste Mal.
00:16:02: Die Erkenntnis, dass ich etwas falsch romantisiere wie der ganze Westen.
00:16:06: Wir sprechen hier alle in den Medien und jedenfalls habe ich das Gefühl, ganz oft über den Mut derer, die da auf die Straßen gehen.
00:16:12: Weil diese schrecklichen Bilder wirklich nicht zu ertragen sind.
00:16:15: Menschen werden auf offener Straße einfach hingerichtet.
00:16:17: Put.
00:16:18: In den schlimmsten Farben.
00:16:20: Und wir sagen immer Mut, was für einen Mut.
00:16:23: Und das du mir quasi reingegreet und sagst, das ist Bullshit.
00:16:27: Warum?
00:16:28: Klar, wir bezeichnen es als mutig und überlegen, ob wir das machen können oder nicht.
00:16:32: Aber so viele, mit denen die sprechen, die sagen, das ist kein Mut, das ist Überleben.
00:16:36: Wir haben keine andere Wahl, wir müssen das machen.
00:16:38: Natürlich haben diese Menschen Angst.
00:16:40: Natürlich.
00:16:41: Aber der Wunsch zu überleben ist so viel größer als diese Angst, dass es den... dass sie sich diesen Kugeln stellen, dass sie, ja, dass sie auf die Straße gehen wissen, sie können nie wieder nach Hause kommen.
00:16:56: Und wenn sie nach Hause kommen, kann jederzeit jemand die Tür einbrechen und sie mitnehmen.
00:17:00: Aber sie haben keine andere Wahlen.
00:17:03: Also ich stelle mir eine Frage, weil wir haben alle, jedenfalls hier in Deutschland, die Menschen, mit denen ich mich so unterhalte, haben viel über die Bewegung von twenty-twoundzwanzig gesprochen.
00:17:12: Frau, Leben, Freiheit.
00:17:14: Was ist der große Unterschied von dieser Welle zu der von
00:17:18: twenty-twoundzwanzig?
00:17:19: Einiges unterscheidet sich, einiges ist noch gleich.
00:17:22: Was sich unterscheidet, ist, dass es diesmal wieder, wie im Jahr zwei Tausendsehnte und zwei Tausendneunzehnte schon, das ist die Wirtschaftsfrage war, die die Proteste ausgelöst hat.
00:17:32: Im Jahr zwei Tausendzehnte war es ja die Ermordung von Gina Armini, einer kurdischen Frau, die wegen schlecht sitzenden Hijabs in den Funkstrichen...
00:17:41: Man hat eine Haarsträhne gesehen, das war der Grund, glaube ich, am Ende, und dann war sie unsäglich gekleidet.
00:17:45: Genau, dass sie dann von der Sittenpolizei angehalten und misshandelt worden ist, woran sie später gestorben ist.
00:17:53: Und während Vorlebendfreiheit eben aus dieser progressiven Bewegung entstand, sind jetzt die Proteste interessanterweise aus dem konservativen Lager entsprungen, nämlich von den Basaris, also den Ladenbesitzer noch den Basaren in Tehran.
00:18:09: Der Tehraner Basar gilt als sehr konservativ.
00:18:12: In der Geschichte, wenn sie sich Protesten angeschlossen haben, dann eher zum Ende.
00:18:16: Wo die Drecksarbeit schon gemacht war, quasi?
00:18:18: Ja, würde ich jetzt nicht so drastisch formulieren, aber ja, quasi immer erst so zum Ende.
00:18:24: Deswegen ist der Teeraner-Basar für das Regime so eine Art Prünenwaren-System, so eine Alarmglocke.
00:18:30: Wenn die protestieren, dann heißt es, oh, jetzt müssen wir aufpassen.
00:18:35: Deswegen ja auch zu Beginn dieser... vermeintliche Dialogbereitschaft per des Präsidenten.
00:18:42: Zu Beginn hat er ja sehr so getan.
00:18:43: von wegen, ja, ja, wir wollen uns mit denen zusammensetzen.
00:18:46: Wir wollen mal gucken, was sie zu sagen haben.
00:18:48: Einmal, weil die können ihr eigenes konservatives Rückgrat nicht verlieren.
00:18:53: Und zum anderen wollen sie natürlich ja auch gegenüber dem besten deutlich machen.
00:18:57: Erkund, wir sind gar nicht so schlimm.
00:18:59: Wir wollen ja Dialog.
00:19:00: Wir wollen uns ja unterhalten.
00:19:01: Genau.
00:19:02: Ist das Leben überall im Iran?
00:19:05: Ist ein großes Land?
00:19:06: Ist es überall gleich schlimm?
00:19:08: Also das Leben in Tehran und in der Provinz.
00:19:12: Ist das immer militärische Ausnahmezustand oder gibt es da einen schöneren Alltag irgendwo im Iran?
00:19:19: Ich glaube, schöner würde ich es nicht bezeichnen, aber es macht schon einen Unterschied, ob man in Tehran lebt oder in Balochistan beispielsweise.
00:19:26: Balochistan ist eine Region im Südosten des Landes, die sowohl ethnisch als auch religiös marginalisiert ist, schon seit Jahrzehnten.
00:19:35: Kurdistan genauso, also es gibt ja im iranischen Völkerstaat, deswegen gibt es im Grunde keine ethnischen Minderheiten, sondern einfach ethnische Gruppen, die marginalisiert worden sind, über Jahrzehnte hinweg.
00:19:47: Und die Kurden, die Balutschen, aber auch die arabische Bevölkerung sind so ethnische Gruppen, die sehr, sehr, sehr stark seit Jahrzehnten marginalisiert worden sind.
00:19:56: Beispielsweise Balutschistan müsste eigentlich von den Bodenschätzen her die reichste Region des Landes sein.
00:20:03: Aber das ist eine Komplett verarmte Regionen, wo wirklich die Armut ist unfassbar groß.
00:20:09: Viele bei Lutschinnern werden übrigens ähnlich wie bei den afghanischen Migrantinnen beispielsweise oder der afghanischen Bevölkerungsgruppe, werden Geburtsurkunden verweigert und somit werden sie illegalisiert per Geburt.
00:20:22: Also schon
00:20:22: per Geburt in Menschlicht quasi.
00:20:24: Genau, genau.
00:20:25: Das gilt für Kurdinnen, für Belutschenden, für Araberinnen, für Afghaninnen.
00:20:30: Und jedes Mal, wenn es Proteste gibt, aber auch jedes Mal, wenn das Regime außer politisch nicht weiter kommt.
00:20:37: werden diese Bevölkerungsgruppen zu Sündenböcken gemacht.
00:20:40: Was wir beispielsweise gesehen haben mit dem Iran-Israel-Krieg im Juni letzten Jahres, da haben wir von Tag eins, dann haben wir als Menschenrechtsaktivistinnen gesagt, Achtung, im Statten dieses Krieges werden die Menschenrechtsverbrechen zunehmen.
00:20:53: Wir wurden der Schwarz-Malerei bezichtigt und dass wir alles ins geheil Mulle-Anhänger sind, wenn wir gegen den Krieg sind.
00:20:59: Aber was ist dann passiert?
00:21:00: Es wurden Hunderttausende Afghaninnen abgeschoben, teilweise mit eigentlich noch gültigen Aufenthaltsdokumenten.
00:21:06: Sie wurden zu Sündenböcken gemacht.
00:21:09: Afghaninnen, Araber, Innenballutschinnen und Kurdinnen wurden nochmal verstärkt, festgenommen und mit angeblicher Spionage für Israel zum Todeverurteil.
00:21:18: Spionage für Israel ist auch... Seit ein paar Jahren der neue Lieblingsanklagepunkt des Regies.
00:21:23: Das ist so aufwug.
00:21:24: Wenn einem nichts mehr einfällt, waren es Terroristen vor aus dem Ausland quasi.
00:21:28: Genau, genau.
00:21:29: Sowieso.
00:21:29: Bislang eher der Protestwelle waren die Leute alles Agenten von Mossad oder von der CIA.
00:21:34: Und wenn dann der Mossad dann jetzt zu Beginn der Proteste tweetet, wir sind an der Seite der Protestierenden auch vor Ort.
00:21:42: Dann befeuert das natürlich.
00:21:45: Also das Regime braucht es gar nicht.
00:21:46: Aber wenn der Mossad da schon die Grundlage liefert, dann ja.
00:21:50: Und was sehen wir jetzt?
00:21:51: Im Staatsfernsehen werden gerade einen nach dem anderen Zwangsgeständnisse, also falsche Geständnisse gegen sich selber, unter Folter entstanden, unter massiven Druck entstanden, in den Gefängnissen von den Protestierenden werden ausgestrahlt.
00:22:02: Die sollen sagen, sie seien Mossad-Agenten und dann wird daneben.
00:22:06: Detweet vom Mossad eingeblendet, wo sie sagen, es ist vor Ort.
00:22:09: Schrecklich.
00:22:09: Genau.
00:22:09: Und das trifft natürlich die ethnisch-magealisierten Gruppen besonders hart.
00:22:14: Und vor allem die Grenzregionen zu Kurdistan und Baluchistan sind über das ganze Jahr verteilt auch immer wieder militarisiert und auch sehr stark militarisiert.
00:22:24: Ich würde gerne mit dir die Lebensrealität im Iran verstehen lernen.
00:22:28: Und ich habe mir so ein paar Punkte rausgesucht, die mutmaßlich im Westen völlig normal sind.
00:22:34: Im Iran aber faktisch Ich sage mal, unmöglich oder immerhin streng verboten, jedenfalls nach meiner Lesart, würde ich gerne mit ihr machen.
00:22:41: Zum Beispiel öffentliches Tanzen und Singen, besonders für Frauen in der westlichen Welt gehört Musik und Tanz ja zum Ausdruck von Lebensfreude im besten Fall.
00:22:49: Im Iran soll oder ist das Tanzen in der Öffentlichkeit verboten und besonders das natürlich wiederum für Frauen.
00:22:54: Es ist zudem untersagt, öffentlich als Solosängerin vor Männern aufzutreten.
00:22:59: Das gilt als unmoralisch.
00:23:01: Stimmt das?
00:23:01: Ja.
00:23:03: Das ist gruselig.
00:23:04: Das muss man sich vorstellen.
00:23:06: Deswegen gibt es auch super viele Bilder, wo Menschen auch einfach tanzen bei den Protesten.
00:23:10: Weil sie sonst nie dürfen.
00:23:11: Ja, weil es Protest ist.
00:23:13: Also zu tanzen ist Protest.
00:23:15: Als Frau zu singen ist Protest.
00:23:18: Als queere Person zu existieren ist Protest.
00:23:21: Und es gab ein ganz schönes Video aus Teheran, wo jetzt bei den Protesten Menschen kurdisch getanzt haben.
00:23:28: Also nicht nur getanzt, sondern auch noch kurdisch getanzt.
00:23:30: Das Regimen unterdrückt natürlich alles kurdische.
00:23:33: Und was haben wir uns über dieses Video gefreut?
00:23:35: Wir haben es geteilt und einige Tage später kam dann die Bestätigung.
00:23:38: kurz nachdem dieses Video entstanden ist, hat das Regime das Feuer auf die Menschen eröffnet und da auch Menschen getötet.
00:23:44: Oh Mann.
00:23:45: Ja.
00:23:47: Zweiter Punkt.
00:23:48: Die freie Wahl der Kleidung ist nicht wirklich möglich.
00:23:51: Hijabpflicht.
00:23:52: Also während im Westen jede Frau eigentlich entscheiden kann, ob sie Minirock oder Jeans oder ein Kopftuch trägt, ist das Kopftuch in diesem Fall Hijab im Iran.
00:24:00: seit Über die Revolution sprechen wir noch.
00:24:04: Für alle Frauen gesetzlich vorgeschrieben, das gilt auch für Touristinnen und für Nichtmuslime.
00:24:11: Auch für Journalistinnen, die als Urdeutsch-Journalistinnen beispielsweise die Dorf sind.
00:24:15: Ja, das stimmt.
00:24:16: Unlustige Fun fängt auch zur Kleidervorschrift.
00:24:19: Bei Männer gibt es auch Kleidervorschriften, by the way.
00:24:21: Also Kniezeigen, kurze Hosen verboten.
00:24:24: Aber es bei Frauen natürlich alles viel strenger.
00:24:27: Das ist quasi diese Gender-Apartheid.
00:24:31: Also die systematische, institutionelle, strukturelle Diskriminierung von Frauen ist Staatsdoktrin.
00:24:39: Deswegen sein wir, wenn das Zwangsijab gefällt, fällt die islamische Republik.
00:24:43: Das ist etwas, was das Regime nicht lockern kann, weil dann fällt ihr gesamtes Grundkonzept.
00:24:48: Und deswegen müssen wir auch immer aufpassen, also jedes Mal, wenn wir Videos sehen von Frauen, Ohne hijab auf der Straße kommt sofort in deutschen Medien, ja, ja, das ist die Liberalisierung.
00:24:57: Das ist der Erfolg der Frauen.
00:24:58: Es ist der Erfolg der Frauen, dass sich mehr und mehr Frauen trauen.
00:25:01: Aber das ist nach wie vor, steht es unter Strafen.
00:25:02: Die Strafen wurden jetzt nochmal angerogen.
00:25:04: Es werden auch neuerdings wieder.
00:25:05: Das wurde ganz lange nicht so prominent ausgeübt, aber es gibt wieder zahlreiche Fälle von Frauen, die in den Gefängnissen ausgepeitscht werden, weil sie keinen Kopfdruck getragen haben.
00:25:16: Hilf mir bitte zu verstehen, weil ich finde wirklich der Letzte, der zu eine Meinung haben darf.
00:25:20: Ich bin wieder eine Frau und noch habe ich jemals in einem solchen Regime leben müssen oder mir immerhin vorgeschrieben, was ich anziehe.
00:25:24: Ich kann mich von ganz alleine schlecht anziehen.
00:25:27: Würdest du sagen, dass die breite Mehrheit aller Frauen im Iran das Kopftuch morgen ablegen würde, wenn sie es dürften?
00:25:33: Oder ist das... Ja, okay.
00:25:35: Ja, es gab auch ganz zu bedienen der islamischen Republik, also schon neunzehntneunzebzig.
00:25:40: Die islamische Republik wurde im Februar ausgerufen und dann drei Wochen später, zum achten März, zum fünften des Zwischenkampftag, gab es Massendemonstrationen in Tehran von Frauen für ihre Rechte.
00:25:50: Die Frauen im Iran haben schon von Anfang an gegen die Hijabpflicht protestiert.
00:25:55: Weil ich immer wieder sehe, dass so Leute wie die AfD das irgendwie ausnutzen, um hier für ein Hijabverbot zu werben.
00:26:02: Nee, also... Es gibt auch Menschen im Irah, die freiwilligen Kopftuch tragen.
00:26:06: Beispielsweise Portemacipe Hii ist eine sehr, sehr bekannte Aktivistin, tiefgläubige Muslima, die nicht nur einen Kopftuch trägt, sondern Schadon.
00:26:14: Also es ist so ein schwarzer, ganz körperschleier.
00:26:17: Und sie sitzt im Gefängnis unter anderem, weil sie auch sagt Selbstbestimmung.
00:26:22: Also es geht nicht um das Kopftuch an sich, sondern es geht darum, was mit dieser Kopftuchpflicht erwirkt wird.
00:26:31: nicht selbstbestimmt leben zu dürfen.
00:26:33: Deswegen sage ich immer, diejenigen, die das Kopftuch verbieten wollen, sind nicht besser als diejenigen, die das Kopftuch aufzwingen wollen.
00:26:38: Das ist ihr versucht über den Körper einer Frau zu entscheiden und seid beide entsprechend die selbe Seite der Medaille oder die gleiche Seite einer Medaille.
00:26:47: Absolut richtig.
00:26:49: Wir haben es eben schon kurz angesprochen.
00:26:50: Du erhältst dann und wann Nachrichten.
00:26:52: Die sind jedenfalls, nehme ich es an, vor allem erst mal schwierige Nachrichten und Sachen, die man wirklich kaum verarbeiten kann.
00:27:00: Dabei ist der Freizugang zum globalen Internet fast gar nicht möglich.
00:27:03: Im Westen nutzen wir WhatsApp, YouTube, Instagram, Snapchat, wie sie alle heißen.
00:27:07: Eigentlich ohne Einschränkung.
00:27:08: Im Iran sind fast alle großen sozialen Netzwerke und Nachrichtenportale schlichtweg gesperrt.
00:27:14: Das sind dann so Blackouts.
00:27:15: Also das Regime hat riesengroße Filter, um die Kommunikation der Opposition komplett zu unterbinden.
00:27:21: Die einzige Möglichkeit, die Iranerinnen und Iraner haben, ist, irgendwie ins Internet über VPN-Tunnel, also so extra Software, um die Herkunft des Internets so ein bisschen zu verschleiern, um das ganz einfach zu auszudrücken.
00:27:36: Entspricht das der Wahrheit?
00:27:37: oder wie kommen Menschen überhaupt ins Internet?
00:27:40: Es gibt ja auch.
00:27:41: Elon Musk hat ja in der Ukraine für ganz viel Internet gesorgt.
00:27:43: Gibt es sowas auch im Iran?
00:27:45: Genau, also das Internet ist über das ganze Jahr immer abzensiert.
00:27:49: Menschen müssen also fast alle haben VPN Zugänge, womit sie dann halt diese Filter quasi brechen können.
00:27:57: Jetzt gerade ist es so, dass wir eine Internetblockade haben, die ging zwei Wochen lang am Stück, war nichts möglich.
00:28:04: Mittlerweile, wir haben zwar immer noch eine Internetblockade, aber dadurch, dass sie das nicht so lange aufrecht erhalten können überall, gelingt das manchen Menschen hier und da über VPN da noch kurz ins Internet zu kommen.
00:28:14: Ansonsten gibt es so Möglichkeiten wie Starlink.
00:28:17: Das Problem ist, Starlink ist im Iran verboten, es zu nutzen, um dann auch noch Videos von Protesten zu teilen, steht unter ganz massiver Schrabe.
00:28:27: Also Starlink, ganz kurz, das Internetangebot über Elon Musk, also quasi Satelliten-Antennen am Boden, um dann eben über die Satelliten seiner Firma Internet zu bekommen.
00:28:37: Genau.
00:28:38: Und es gibt auch nicht so viele Starlinks im Iran.
00:28:41: Das ist etwas, wo ich mir denke, Trump hat doch jetzt immer wieder gesagt, help us on the way.
00:28:45: Ich hatte irgendwie gedacht, dass der erste Schritt mal ist, da ein paar Starlings ins Land zu bringen, aber selbst das war irgendwie zu schade.
00:28:53: Also kein Internet.
00:28:54: Und eine Sache, die ich auch noch gelesen habe, Händeschütteln, selbst Händeschütteln und öffentliches Zeigen von Zuneigung, vor allem auch zwischen den Geschlechtern oder auch unter den gleichen Geschlechtern, ist quasi untersagt.
00:29:07: Es ist dann Unzucht oder unangebrachte Nähe, stimmt das?
00:29:11: Es gibt super viele Videos, die gab es vor allem während der Vorleben-Freihet-Proteste, wo Menschen auf ganz bekannten Plätzen Iran standen, sich geküsst haben oder zusammen so Pärchentänze gemacht haben zu aktuellen Trends und so.
00:29:26: Das war wirklich echt schön.
00:29:28: Ich liebe es, wie die Menschen im Iran alles, was ihnen verboten wird, nehmen und es einfach trotzdem tun.
00:29:34: Und das ist etwas, was mich total stört, wenn wir über Proteste im Iran sprechen, sehen wir immer nur diese Massen-Demonstration oder sprechen nur, wenn es solche Massen-Demonstrationen gibt, weil wir so eine romantisierende Vorstellung von Protest haben, weißt du?
00:29:46: Zehntausend Leute irgendwo rufen, parolen, irgendwo brennt ein Feuer und jemand tanzt in der Ecke.
00:29:52: Dabei ist so wirklich diese Kleinigkeiten im Leben, da ist so ein Video, es gab mal fast gar nicht so welchen Song vor ein paar Jahren diesen Trend, wo dann immer ... zwei Leute so kappelmäßig zusammen getanzt haben, ging ja ganz viral auf TikTok und so.
00:30:04: Und das irgendwie zu sehen vor diesem ... Also die Turm, also das ist so eine große Sehenswürdigkeit in Teheran, wo dann so junge Menschen da getanzt haben und das geteilt haben.
00:30:14: Oder erinnerst du dich an den ... Song von Selena Gomez.
00:30:19: Wie heißt der?
00:30:20: Baby, calm down, calm down.
00:30:22: Genau.
00:30:22: Das war ja auch irgendwie voll der Trend, ob TikTok dazu zu tanzen.
00:30:25: Und da haben so ein paar Mädels im Terraner Stadtteil Ecuador dazu getanzt.
00:30:29: Das Video gepostet, das ist viral gegangen und die wurden direkt festgenommen.
00:30:33: Und mussten.
00:30:33: zwei Tage später wurden sie auf denselben Platz, wo sie getanzt haben, gebracht.
00:30:38: Und sie mit hijab und so weiter.
00:30:40: Und mussten dann im Staatsfernsehen sich entschuldigen, dafür, dass sie getanzt haben.
00:30:44: Aber dann ist ein Solidarität auch wieder so eine Welle, wo alle weltweit diesen Tanz gemacht haben, um sich zu solidarisieren.
00:30:51: Also, ja, du hast eben erzählt, dass Frauen nicht singen dürfen im Iran als Solistinnen und gibt immer wieder Videos vor einem Jahr oder so.
00:31:01: Gab es eine Sängerin, die sich auf so einem sehr historischen Platz hingestellt hat und ein Live-Konzert gespielt hat, ohne Hijab mit einem... Ich glaube schulterfreien Kleid sogar.
00:31:11: Also wirklich, als wärst du hier irgendwo in London in so einer richtig schönen Kulisse und hörst einfach in der Sängerin zu, wie sie singt bei einem ganz normalen Konzert, nur sie wurde dafür festgenommen später.
00:31:21: Man hat das Gefühl, dass dieses Regime die Lebensfreude aus Millionen von Menschen rauspressen will, wie so eine Saftmaschine eigentlich, bis nichts mehr über ist, bis da nur noch so ein Trester wie bei einem Ensafter überbleibt, der Hauptsache keine Widerworte hat.
00:31:36: Es ist wirklich... kaum zu ertragen, was du gerade sagst.
00:31:40: Ich würde gerne mit dir über die politische Gemengelage vor Ort sprechen, also so Strömungen.
00:31:47: Das sind auch so Sachen, die ich nicht weiß.
00:31:50: All die Menschen, die da auf der Straße sind, sind die alle vom selben Team?
00:31:56: Haben die alle dieselbe Vorstellung, wie es aussehen könnte?
00:32:00: Ich hoffe nicht, weil das wäre richtig gruselig, wenn sich achtzig Millionen Menschen, wenn sie exakt ... in allem sich einig sind.
00:32:08: Ich konkretisiere das.
00:32:10: Denn es ist ja, das mache ich an einer persönlichen Erfahrung fest.
00:32:15: Als wir beide uns im Frühstücksfernsehen unterhalten haben, habe ich mir während des Gesprächs und nach dem Gesprächen auch, ich habe noch lange drüber nachgedacht zu Hause, habe ich mir gedacht, Mensch, da kann es doch keine zweite Meinung geben.
00:32:26: Da spricht man doch jetzt erstmal vor allem Punkt eins, das Regime, was da Menschen millionenfach unterdrückt, misshandelt, abschlachtet, tötet, alles.
00:32:37: dass erst mal los werden und dann kann man darüber sprechen, wie der nächste Schritt in eine wie auch immer geartete Freiheit in eine positive schöne Zukunft gehen könnte.
00:32:48: Was ich aber so vor mitbekommen habe ist, da schreiben mir Leute drunter, ja ist richtig, aber Daniela ist eigentlich die falsche, die da sitzt, denn die darf das gar nicht sagen, denn die ist in der Diaspora, um das kurz zu erklären, also Menschen aus der Region, die hier aber leben, wir sagen, du bist in diesem Fall in der Iranerin, du wärst die falsche, du dürftest da gar nicht mitsprechen, denn eigentlich wäre ja nur der Schaar, der Richtige, der da nochmal aufräumen könnte.
00:33:12: Das ist das, was ich gehört habe, ich dachte, wow, sind wir schon sieben Schritte weiter, weil ich sehe immer noch Menschen, die immer über Leben kämpfen und überhaupt noch nicht darüber nachdenken, ob man mal im Parlament wählt.
00:33:22: Aber jetzt wird Reza Pallavi, Sohn des Schaars, wieder nach vorne geschoben.
00:33:27: Was ist deine Meinung dazu?
00:33:29: finde ich auch ein Top-Demokratie-Verständnis, wenn nur noch eine Person über ein Thema sprechen darf und alle anderen dürfen über ein Thema nicht sprechen und sich ihrer Meinungsfreiheit nicht bedienen.
00:33:40: Tolles Demokratie-Verständnis.
00:33:41: Ich sehe es
00:33:42: genauso übrigens, aber was darfst du, warum die Menschen darunter geschrieben sind und du wärst die falsche?
00:33:46: Erklär du es mir.
00:33:47: Weil ich kein großer Fan von Reza Pahlavi bin aus ganz vielen verschiedenen Gründen, aber leicht, um das mal zu erklären.
00:33:54: Also Iran, ist seit neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt neunzehnt.
00:34:24: Interessant ist übrigens, also nur ganz kurz nochmal anreichend, religiöse Linke und Liberale haben damals gegen den Schaar revolutioniert.
00:34:31: Diese Gemengelage müsste man sich einmal vorstellen.
00:34:34: Und die religiösen haben dann übernommen.
00:34:35: Also es war erst mal ein Bündnis von vielen... Und
00:34:37: die Linken abgeschlachtet übrigens.
00:34:39: So, das wäre nämlich das nächste.
00:34:41: So, die religiösen, die Linken und die Liberalen haben sich zusammengetan und haben gegen den Schaar aufgepegert und haben eine Revolution an den Staat gebracht.
00:34:49: Und dann kam die theokratische Führung, wie du es gerade eben beschrieben hast.
00:34:51: Entschuldige.
00:34:52: Genau.
00:34:53: der Sohn des damaligen Schaars, also der aktueller der Sapa-Halavi, der war schon zum Zeitpunkt der Revolution, war ja schon ein paar Jahre im Ausland und dann halt auch natürlich im Ausland geblieben.
00:35:03: Und im Iran gibt es aktuell, also deswegen habe ich gesagt, ich hoffe nicht, dass alle exakt dieselbe Vorstellung haben, weil das wäre ich gruselig, so wie Deutschland nicht exakt dieselbe Vorstellung haben, wie eine gute Regierung auszusehen hat, weil wir sind alles freie Individuen mit eigenen Gedanken.
00:35:21: So sind auch die Menschen im Iran nicht eine homogene Masse, sondern eben eine ganz heterogene Gesellschaft von ganz links bis ganz rechts.
00:35:28: Interessanterweise aber suggerieren, die Posts, die ich gelesen habe oder die Nachrichten, die mir geschickt wurden, suggerieren, dass vor allem und nahezu ausschließlich skandiert wird, dass der Schad zurück muss.
00:35:40: Ja.
00:35:41: Spricht das annähernd der Wahrheit?
00:35:43: Nee.
00:35:44: Aber, ähm, also mehr kann ich dazu auch nicht sagen.
00:35:48: Es entspricht nicht der Wahrheit, aber vielleicht erordnet es mal ein.
00:35:51: Manche Menschen denken auch, sie hätten mit allen Achtzig Millionen Menschen einzeln gesprochen und die hätten alle ihre Stimme abgegeben.
00:35:58: Auf den Straßen Iran gibt es Leute, die sich den Schad zurückwünschen.
00:36:02: Manche wünschen sich auch eine Monarchie mit dem Schad zurück.
00:36:06: Manche wünschen sich einfach nur, dass Pahlawi kommt und irgendwas.
00:36:10: umgestaltet, weil er eine durchaus prominente Oppositionsfigur ist, wenn auch nicht die Einzige, auch wenn es gerne so suggeriert wird.
00:36:17: Es gibt doch Leute, denen es ist, scheißegal, ob der das ist oder jemand anderes, Hauptsache das Regime ist weg.
00:36:22: Es gibt auch Menschen, die kennen ihn nicht, aber denken, dass das jemand, der da im Ausland ist und vielleicht was machen könnte.
00:36:28: Es gibt auch Menschen, die ihn grundlegend ablehnen.
00:36:30: Es gibt Leute, die ihn ablehnen wegen der Verbrechen seines Vaters.
00:36:34: Die Schafverbrechen wurden bis heute nicht aufgearbeitet.
00:36:38: Spoiler schon mal, wenn das Regime im Iran fällt, müssen all diese Verbrechen dieses Regimes aufgearbeitet werden und strafverfolgt werden, aber auch die Verbrechen des Scharregimes zuvor.
00:36:47: Also es gibt Leute, die ihn ablehnen, deswegen, da bin ich gar kein Fan dafür, Menschen in Zippenhaft zu nehmen.
00:36:53: Gut, der hat sich nie von den Verbrechen seines Vaters distanziert, aber im Zweifel ist er auch sein eigener Mensch und ich kritisiere lieber für das, wofür er selber steht.
00:37:01: Es gibt aber auch Menschen im Iran, die ihn wirklich grundlegend ablehnen, vor allem die ethnisch marginalisierten Gruppen.
00:37:07: Die Kurden beispielsweise, die Balutchen, die unter dem Schaar genau so gelitten haben.
00:37:11: Und das ist aber alles etwas, was ich finde, das wird das miteinander diskutieren.
00:37:16: in der Diaspora.
00:37:17: Das sind die Diskussionen, die im Iran aber sogar nicht geführt werden, wie sie hier führen, weil im Iran geht es den Menschen wirklich erst mal darum, das Regime zu stürzen.
00:37:23: Und ich habe mit einer Person, das war kurz bevor die Proteste so komplett eskaliert sind, gesprochen und der wirklich gedacht, ihr habt da alle zu viele lange Weile mit den Diskussionen, die ihr dafür und den Debatten, die ihr führt.
00:37:35: Deswegen, also die Menschen im Iran sind sehr heterogen, vier verschiedene Meinungen.
00:37:39: Hier ist auch die Anhänger von Pahla, wie würde ich auch nicht alle unter einer Schippel sterben.
00:37:43: Also du hast jetzt... einen Flügel davon mitbekommen.
00:37:46: es gibt Menschen die Anhänger von Pahler wie sind aber relativ gemäßig.
00:37:51: also mein eigener Vater ist ja kein Geheimnis wünscht sich gerne eine Monarchie zurück aber mehr so nach britischem Vorbild wobei ich ja selber der Meinung bin abolished monarchy.
00:37:59: auch in Großbritannien ist eine starke Bewegung.
00:38:01: Solidarität an diese Menschen an dieser Stelle.
00:38:04: Und mein Papa ist aber keiner, der Tod den Linken oder Tod den Kurden ruft, wie es andere Teile der Monarchisten leider auf den Demos in Deutschland tun.
00:38:11: Davon gibt es ja auch zahlreiche Bilder.
00:38:13: Mein Papa ist auch keiner, der politische Gefangener angreift, wie es teilweise andere Menschen tun, die Pahler wie auch sehr nah stehen persönlich.
00:38:20: Dann jeder, wie eint man all diese Lager?
00:38:23: Ich habe das Gefühl, dass also, wenn sich Paare scheiden lassen, dann steht da meist bei den Promis drin.
00:38:28: und überbrittbare Differenzen.
00:38:30: Und ich habe, wenn du mir das jetzt so schilderst, habe ich das Gefühl, da ist ein großes Schachbrett von ganz vielen kleinen Positionen, die alle ihre super eigene Idee haben, wie es ist.
00:38:38: Und die sind im Fall der Fälle ziemlich weit auseinander.
00:38:41: Das soll in einer guten Demokratie ja ertragbar sein.
00:38:43: Und das würde ich mir wünschen, also, dass alle zu Wort kommen und man dann eben mit dem Volk, und wir rechnen ja hier nun wirklich von zig Millionen Menschen, die daran teilhaben sollen in einer Wahl, sind die vereinbar oder sind da ein paar Gruppen einfach nicht vereinbar?
00:38:58: Naja, es sind so manchmal, also ich habe beispielsweise rote Linien, wie gesagt, wenn jemand Toten Linken ruft, ich bin links.
00:39:03: Wenn mir jemand den Tod wünscht, dann unterscheidet er sich für mich nicht anders als vom aktuellen Regime, das auch Linke hinrichtet.
00:39:10: Also es gibt bei mir rote Linien, politische Gefangene anzugreifen, das ist für mich eine rote Linie.
00:39:14: Und alles, was sich auf diesem demokratischen Spektrum befindet, diskutiere ich gerne mit und finde ich auch super wichtig zu diskutieren.
00:39:20: Also wie gesagt, meine eigene Familie diskutiere ich täglich.
00:39:24: Aber ich mache wieder den Deutschlandvergleich.
00:39:27: Die Linken und die CSU werden glaube ich auch niemals zusammenkommen.
00:39:32: Und trotzdem können sie... Existieren und die Regen sich gegenseitig wahnsinnig auf.
00:39:36: aber das gehört zu einer Demokratie dazu, dass es auch oben gibt.
00:39:38: Obwohl der
00:39:38: Gutenberg und der Ghesi sich gut verstehen.
00:39:41: Also eigentlich, wenn du so willst, also die beiden sprechen sehr gut und sehr nett miteinander.
00:39:46: Ja, aber die Unionsfraktion hatten Unvereinbarkeitsbeschluss mit den Linken.
00:39:50: Ja, das haben die ja.
00:39:51: Aber dann, wenn sie die Linken dann wieder brauchen, dann schleiben sie sich wieder an die Linken ran.
00:39:56: Also für mich gehört das einfach dazu.
00:39:58: dass man das alles miteinander diskutiert und übt.
00:40:00: Und ich finde das eigentlich gar nicht schlecht.
00:40:01: Das wird jetzt hier eine Diaspora miteinander üben.
00:40:04: Holt einige, glaube ich, auch aus ihrer Langeweile raus.
00:40:07: Wenn sie dann im Internet Menschen angreifen können, dann sollen sie das machen, wenn sie das als Ventil haben.
00:40:12: Nein, Schwarzbeseite, bitte, beleidigt Menschen nicht im Internet.
00:40:15: Das wäre schön.
00:40:16: Beleidigung, die man mir eintrugeln, weil es sich angezeigt.
00:40:19: Das sind auch übrigens meine Anwälte.
00:40:20: Das sind ganz begeistert von der Kreativität iranischer Beleidigungen.
00:40:24: Also ich muss denen das ja immer übersetzen für die Anzeigen.
00:40:26: Das ist teilweise so kreativ.
00:40:28: Wenn ich eins gelernt habe, Iraner und Iraner schimpfen in den buntesten Sprachen.
00:40:33: Also ich glaube, das sind ja Konstrukte von mehreren Sätzen, die man hört.
00:40:37: Nicht nur Duarschloch, sondern sieben Sätze.
00:40:40: Und am Ende habe ich die Hälfte schon wieder vergessen.
00:40:43: Aber es war eine ziemlich lange Beleidigung, stimmt nicht?
00:40:46: Ja, genau.
00:40:46: Also sehr, sehr vulgere, als als Frau hat man das ja nochmal, das Sex weil dann noch mit rein spielt und so.
00:40:51: In dem Moment, wo es zu Morddrohungen geht, Vergewaltigungsdrohungen und so weiter, ist es für mich nicht mehr ein demokratischer Konsens, mit dem ich diskutieren kann.
00:40:59: Auf gar keinen Fall.
00:41:00: Ja, aber alles andere ist etwas, was ich nicht schlecht finde, das wird da schon mal diskutieren.
00:41:04: Ich finde es halt nur unnötig, so zu tun, als gäbe es diese Meinungsfeindfalt nicht.
00:41:09: Das wirklich einfach... Schade ist, weil wir kommen gerade aus einer Diktatur, wir brauchen nicht wieder, achtzig Millionen Menschen unter einer Flagge irgendwie zu drängen, auch wenn sie das gar nicht wollen.
00:41:22: Ich finde es gut, dass wir auch wie jedes andere Land, wie jede eigene Bevölkerungsgruppe, Meinungsverschiedenheiten haben und eine Meinungsschiefheit haben.
00:41:31: Ich würde gerne in den aktuellen Status quo und vor allem zu den Menschen zurück, die auf der Straße sind und jetzt im Iran leben.
00:41:39: Ich merke gerade, dass ich mich gerade ein bisschen geschämt habe, kurz mit dir lustig geworden zu sein, aber das ist ja auch Teil des Lebens.
00:41:44: Das müssen wir auch.
00:41:45: Also was, wo soll es enden, wenn das Regime uns auch noch unser Lachen nimmt?
00:41:50: Abs, du hast völlig recht.
00:41:51: und trotzdem stell ich fest, man muss ja irgendwie auch wieder die Brücke zu diesem Elend schlagen, der es alltäglich ist im Iran und ich versuche das jetzt mit dir.
00:41:59: Ich weiß, dass für viele Zuhörerinnen und Zuhörer das manchmal ein bisschen heavy ist, aber ich möchte jetzt auch nicht... alles geschönt machen, denn wir müssen verstehen, wie groß das Leid ist.
00:42:08: Das ist nicht nur, ich bin mit dem System ein bisschen unzufrieden, weil ich hier keinen Job finde oder ich hätte gerne einen anderen Studienplatz.
00:42:14: Darum geht es nicht.
00:42:15: Da gibt es Kinder, die nicht wissen, wie eine Zukunft aussieht.
00:42:18: Da gibt es Familien, die nichts zu essen haben und man weiß nicht, ob man sich abends lebend widersieht.
00:42:22: Kannst du uns bitte schildern?
00:42:25: Denn ich habe gerade erst gelesen, dass Experten jetzt gerade so ein bisschen von der Stille nach dem ersten Schock sprechen, also irgendwie gerade so ein Dip.
00:42:32: in der Bewegung.
00:42:32: Man muss sich anscheinend mal sammeln oder überhaupt mal schlafen.
00:42:35: oder wie sieht das Leben auf der Straße aus?
00:42:40: Wie erleben Menschen im Iran gerade diese schreckliche Gewalt?
00:42:43: und auch kann man sich überhaupt verteidigen?
00:42:47: Naja, also die Menschen, ich sage immer, das ist jetzt eigentlich ein ganzes Land mit posttraumatischer Belastungsstörung.
00:42:53: Es ist alle, mit denen ich spreche, also diejenigen, die sich trauen, zu sprechen.
00:42:58: Viele trauen sich nicht zu berichten, was passiert ist, weil die Handys abgehört werden könnten.
00:43:04: Aber diejenigen, die sich trauen, die finden keine Worte, um das zu beschreiben, was passiert.
00:43:08: Die fangen an zu erzählen, brechen in Tränen raus und sagen, das, was ich dir gerade erzählt habe, das ist nicht mal ansatzweise das, was ich hier gesehen habe.
00:43:16: Ich kann dir das nicht beschreiben, was ich gesehen habe.
00:43:19: Das ist ein Land im Schock mit einer Brutalität, wie ist die Geschichte dieses Landes?
00:43:25: noch nie gesehen hat.
00:43:28: Familien suchen immer noch in den gleichen Häusern nach ihren Angehörigen.
00:43:33: Das nächste Massaker steht bevor in den Gefängnissen.
00:43:36: Vierzigtausend Menschen mindestens wurden festgenommen, ihnen drohen Scheinverfahren, Hinrichtungen.
00:43:41: Also wir sind quasi wieder vor dem nächsten Massaker, vor den nächsten Massen worden.
00:43:46: Die erwarten oder befürchten Hinrichtungen wie in den Achtzigerjahren, wo das Regime Abertausende politische Gefangene hat hinrichten lassen, teils außergerichtlich.
00:43:56: Ja, das ist so gerade so diese Mischung aus Angst, Trauer und unfassbar groß und gut.
00:44:04: Ist man irgendwo sicher?
00:44:05: Also du hast mir in einem Gespräch erzählt, dass man auch einfach vielleicht vor der Haustür erschossen wird.
00:44:10: Also du musst natürlich bitte nicht ins schrecklichste Detail gehen, aber erklär mir mal ein paar Szenen aus.
00:44:16: Ich kann es, also ich glaube selbst in meiner blühmerantesten Fantasie, wenn ich versuche ganz tief in meine schwarze Seele, die nicht wirklich existiert reinzugehen, kann ich mir nicht erklären, wie das ist.
00:44:25: Wie ist es denn?
00:44:27: Eine Person aus Kadertsch hat berichtet, wie eine junge Frau, sechzehn, siebzehn, gleich achtzehn Jahre alt, vor ihrer Haustür erschossen worden ist.
00:44:36: Das ist Menschen, ich habe heute von einem Fall gelesen, das wollte ich auch noch auf Instagram teilen, von einem jungen Krankenpfleger, der in einem Krankenhaus gearbeitet hat und am achten Januar mit einem Rucksack voller medizinischer Hilfsgüter auf die Proteste gegangen ist, um den verwundeten Protestieren zu helfen, er wurde erschossen.
00:44:57: Die Menschen haben, ich glaube, in unteren Rücken wurde ihm geschossen.
00:45:00: Die Protestierenden haben versucht, ihn zu einem Krankenhaus zu bringen, aber er starb, bevor er in den OP-Seil gekommen ist.
00:45:06: Wir hören von Menschen, die in den Krankenhäusern außergerichtlich hingerichtet werden.
00:45:13: Wir sehen Videos von Leichen in den Leichenhallen.
00:45:16: Die sind angeschlossen noch so an EKG-Klebedingern oder haben noch Schläuche, aber einen Kopfschuss.
00:45:22: Mit einem Kopfschuss geht niemand ins Krankenhaus.
00:45:24: wird dann an so einem Herz-Monitor angeschlossen.
00:45:27: Das bedeutet, die Person war in Behandlung und dann kam jemand und hat ihm einen Kopfschuss verpasst und hat ihn außergerichtlich hingerichtet.
00:45:33: Ärzte werden festgenommen und vor Scheinfahrern gestellt, Methodusurteilen wird gedroht, weil sie verwundete Protestierende behandeln.
00:45:42: Aus Angst vor Verhaftungen gehen teilweise Verwundete auch gar nicht erst in der Krankenhaus.
00:45:46: Also ich habe von einem Fall gelesen, wo ein junger Mann angeschossen wurde und drei Tage lang regungslos in einem leichen Sack lag, zwischen leichen und sich nicht bewegt hat, in der Hoffnung, nicht als lebend identifiziert und festgenommen zu werden.
00:46:00: Seine Familie hat ihn dann da gefunden, in einem katastrophalen Zustand.
00:46:03: klar, wenn du angeschossen bist und drei Tage nichts gegessen, nichts getrunken hast und dich nicht bewegst.
00:46:10: Ja, das ist so gerade... Und all das, was ich erzählt habe, müsst ihr euch vorstellen, ist das Thema so schlimm dort.
00:46:17: Machen diese Garten vor irgendwas halt?
00:46:19: Kinder, Alte?
00:46:20: Nein.
00:46:20: Ich habe ein Bild gesehen, in dem Leichenhaus Kärisak in Tehran.
00:46:25: Da gibt es so ein Monitor, wo dann die Bilder von den Leichen eingeblendet werden.
00:46:29: Und plötzlich wurde eingeblendet ein Bild von Zwillingern im Säuglingsalter.
00:46:36: Das ist unerträglich.
00:46:38: Man möchte doch schreien, das kann doch alles nicht wahr sein.
00:46:41: Wo bleibt da die Hilfe?
00:46:44: Und genau das ist ja jetzt, worum es jetzt spätestens, eigentlich schon längst aber, jetzt spätestens gehen sollte.
00:46:52: Es gibt natürlich eine europäische Position, es gibt eine amerikanische Position.
00:46:57: Die amerikanische ändert sich, glaube ich, minütlich, also wenn wir jetzt darüber sprechen, ist schon wieder dahin.
00:47:03: Aber Donald Trump, der US-Präsident, der siebenundvierzigste von den Vereinigten Staaten von Amerika, hat großmäulich, ich kann es nicht anders sagen, mitgeteilt, wenn ihr auf die Straßen geht und uns zeigt, ihr wollt dieses Regime nicht mehr, dann sind wir an eurer Seite.
00:47:18: Hat er stattgefunden?
00:47:19: Wenn auch nur ein Protestierender getötet wird, dann sind wir sofort da.
00:47:23: Help is on the way.
00:47:24: Du kannst das nie mehr hören, ne?
00:47:27: Also, nicht, dass sich auch nur eine Sekunde in einen faschistischen Präsidenten, der seine eigene Bevölkerung abschlachten lässt, irgendwie vertraut hätte.
00:47:35: Du hast letzte Folge hier über Eis gesprochen.
00:47:37: Also, mich, dass ich einem solchen Fascho trauen würde.
00:47:41: Aber meine Fasche, die Menschen im Iran.
00:47:44: die sind so verzweifelt und sie haben wirklich gedacht help is on the way.
00:47:49: Die haben wirklich gedacht und das tut mir wirklich einfach in der Seele leid, wie sie auf die Straße gegangen sind, gedacht haben help is on the way, aber es kam nicht nur nichts.
00:48:00: Fünf Wochen lang kam nichts.
00:48:02: Sie wurden komplett, komplett im Stich gelassen.
00:48:07: Und Hilfe kann ganz unterschiedlich aussehen.
00:48:09: Also ihr ... dürfen uns ja öfter mal den Vorwurf anhören, wir würden ja alle nur Kriegstreiberei sein, weil wir alle einen Krieg befürworten würden, ja, es gibt Menschen, die sich einen Krieg wünschen, weil sie so verzweifelt sind, weil sie keinen anderen Ausweg sehen.
00:48:21: Es gibt Menschen, die Angst vor einem Krieg haben, weil sie wissen, dass in einem Krieg Zivilisten an erster Stelle sterben, wie im Juni auch.
00:48:28: Ich bin selber zum Beispiel gegen einen Krieg, weil haben wir ja immer gesehen, im Nahen Osten, wenn die Amerikaner Demokratie reinbomben, hat es nie funktioniert.
00:48:38: Aber ich habe ja eben gesagt, Das Minimum, was ich dachte, was die jetzt machen, wäre ein paar Starling-Devices ins Land zu bringen.
00:48:44: Also Internet, Kommunikation und Austausch.
00:48:46: Aber nicht mal das, nicht mal das, nicht nur kam keine Hilfe, Trump hat zwischendurch gesagt, ja, ich gehe jetzt in Verhandlungen mit dem iranischen Regime, eine doch keine Verhandlung, ade doch, also das iranische Regime hat mir versichert, es wird jetzt nicht hingerichtet werden.
00:49:03: Sagt er, wir sind zuhundertfünfzig Menschen alle einem Januar mindestens hingerichtet worden sind.
00:49:08: Also es hat, glaube ich, Kaum jemand, die Freiheitsbewegung im Iran, so sehr verarscht wie Donald Trump.
00:49:16: Er liegt einfach angelogen.
00:49:18: Es gibt ja auch noch eine deutsche Position.
00:49:21: Wie siehst du, ich habe einen Lacher gehört, glaube ich.
00:49:24: Gibt es eine deutsche Position oder gibt es eigentlich gar keine?
00:49:27: Also, außenpolitisch ist die Bundesregierung so irrelevant und damit so lächerlich in allem.
00:49:36: Magst du das festmachen?
00:49:38: Also erstmal hat Priorych mehr zwei Wochen gebraucht, um sich zu den Protesten im Iran zu äußern.
00:49:44: Und das ging nur in einem kurzen Tweet gemeinsam mit seinen britischen und französischen Kollegen.
00:49:49: Wo selbst das Statement von Olaf Scholz und Frau Leben Freiheit Protesten stärker war.
00:49:54: Und Olaf Scholz ist jetzt wirklich kein Politiker, der für starke Statements bekannt ist.
00:49:58: Hat er sich nicht zwingend einen Ruf gemacht dadurch?
00:50:01: Nein.
00:50:01: Das zweite Statement war ähnlich.
00:50:04: Blasch.
00:50:05: Wo ich dachte, vielleicht hat auch der einfach das Statement von Olaf Scholz einfach kopiert.
00:50:09: Und dann hat er nochmal in einer Pressekonferenz, war das glaube ich, als mittlerweile letztendlich in Deutschland festgestellt, dass dieses Regime keine Zukunft mehr hat.
00:50:18: Aber das war so richtig nennenswert, irgendwie eine Position.
00:50:25: Also das ist wirklich, aber das ist schon lange, seit Jahren.
00:50:28: Also die deutsche Iran-Politik ist seit Jahren schon lächerlich.
00:50:31: Da schon in der letzten Bundesregierung lächerlich, weil jetzt auch lächerlich, was ich gut finde, was jetzt endlich gekommen ist, ist die Terrorlistung der Evolutionsgarde in der EU.
00:50:41: Das muss jetzt konsequent in Deutschland umgesetzt werden.
00:50:43: Hat auch gleich dazu geführt, dass das iranische Außenministerium eigentlich alle Botschafter aller EU-Staaten einberufen hat, nach Tehran.
00:50:50: Genau, und unsere Armeen auch, die europäischen Armeen auch als Terrororganisation eingestuft hat, was ich ein bisschen lol finde.
00:50:57: Ja, es wird sich jetzt zeigen, wie das umgesetzt wird in Deutschland, diese Terroristung.
00:51:02: Also, ob jetzt wirklich auch alle Organisationen beschlossen werden, die mit der Revolution gerade zusammengearbeitet werden, angefangen, bei den Banken der islamischen Republik Iran, die in Deutschland stehen.
00:51:11: Wenn ich dich jetzt frage, weil wir müssen jetzt ja auch über die Zukunft gucken, das Leid ist unbeschreiblich und viel zu viele Menschen haben schon ihr Leben gelassen für eine Idee eines freien Lebens.
00:51:22: Mehr ist es ja eigentlich gar nicht.
00:51:23: Es ist ja völlig absurd, dass man das Minimum einfordert.
00:51:26: Was muss jetzt passieren?
00:51:27: Du hast gesagt, Geldhand zu drehen.
00:51:28: Habe ich das richtig verstanden?
00:51:30: Geldhand zu drehen, dass sie sich nicht mehr finanzieren können.
00:51:34: Was ist das nächste?
00:51:35: Deutschland muss jegliche Beziehung zu diesem Regime stoppen.
00:51:38: Die gesamte Europäische Union war jegliche Gespräche, Kooperation, egal wie klein für das Regime unfassbar wichtig sind, weil sie dem auch künstlich falsche Legitimationen weitergeben.
00:51:49: Legitimationen, die das Regime längst nicht mehr hat unter Bevölkerung.
00:51:53: Wir müssen in die Zivilgesellschaft unterstützen, beispielsweise indem wir helfen, die Internetsperre zu umgehen, beispielsweise indem wir Wege finden, wie wir den Menschen helfen, die gerade halblich verrundete Protestierende behandeln, indem wir uns für die politischen Gefangenen einsetzen, massiven Druck auf dieses Regime ausüben, auf Hören nach Iran abzuschieben.
00:52:12: den Zugang zu sogenannten humanitären Visa vereinfachen.
00:52:15: Also es ist eine Möglichkeit, wie MenschenrechtsverteidigerInnen auch legal im Weg, in Anführungsstrichen Schutz in Deutschland finden können.
00:52:24: Aber das hat Dobrindt so massiv zurückgefahren, dass es im Grunde für Menschen im Iran, die vom Tode bedroht werden, keine Chance mehr gibt, auf legalem, sicheren Weg, in Anführungsstrichen legal, nach Deutschland zu fliehen und hier Schutz zu finden.
00:52:38: Wir liefern sie damit dem Regime aus.
00:52:41: Also auch diese menschenverachtende Migrationspolitik von Dobrindt unterstützt die Täter.
00:52:47: Ja, und das sind alles Schritte, die wir machen müssen, um dieses Regime weiter zu isolieren, um die Menschen im Iran zu unterstützen.
00:52:54: Was gibt dir in dieser dunklen Zeit am meisten Kraft und den Glauben, dass das gut enden wird?
00:53:02: Ich glaube immer daran, dass am Ende alles gut wird.
00:53:05: Das ist so eine richtig naive Einstellung von mir, wie ich auch durchs Leben gehe.
00:53:09: Am Ende wird immer irgendwie alles gut.
00:53:12: Ja, und ich halte mich, glaube ich, an dieser Hoffnung fest.
00:53:16: Ich glaube, Hoffnung ist etwas, was wir alle ganz grundsätzlich lernen sollten, die Hoffnung in das Gute beizubehalten.
00:53:23: Weil das Gegenteil von Hoffnung haben wäre Hoffnungslosigkeit und das bedeutet Resignation.
00:53:29: Und dann, ja, was braucht es dann für ein Aktivismus?
00:53:33: Dann können wir uns auch mit dem Staat das Quot zufrieden geben.
00:53:35: Und das ist richtig in tausender Menschen ermordet.
00:53:38: Deswegen ist, glaube ich, Hoffnung der größte Widerstand.
00:53:43: Sei Hoffnung bei uns allen irgendwie dazu führt, dass wir ins Handeln kommen und ins Tun kommen und nicht aufgeben, egal wie klein vermeintlich dieses Handeln von uns gesehen wird.
00:53:55: Daniela, ich möchte mich aufrichtig bedanken, dass du mir deine Zeit geschenkt hast, dass wir über dieses Thema sprechen.
00:54:02: Ich glaube, dass wir den Iran ein bisschen besser verstehen jetzt.
00:54:07: Und dass selbst eine Revolution von neunundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundundund.
00:54:31: Daniela Seperi, heute in Zahltag.
00:54:33: Wir haben über den Iran gesprochen.
00:54:35: Vielen Dank für deine Konzentration.
00:54:36: Ich weiß, es ist ein hartes Thema und ich weiß, man dukt sich gerne vor Sachen weg.
00:54:40: Ich bin auch genau so einer, der irgendwann sagt, ich kann das ganze Leid nicht mehr sehen.
00:54:45: Aber hin und wieder müssen wir eben genau dorthin gucken, wo es richtig wehtut.
00:54:49: Ansonsten verändert sich auf dieser Welt gar nichts mehr und will Menschen zu zigtausenden Leiden, obwohl in Sachen versprochen wurden.
00:54:56: Dann ist es unsere Aufgabe und unsere Pflicht, als Bürger eines freien Landes hinzugucken und dann die Menschen anzustupsten, die von uns gewählt wurden.
00:55:04: Also quasi unsere Angestellten, denn das sind Politikerinnen und Politiker und die sollen das machen, was wir gut finden.
00:55:09: Und in diesem Fall könnten sie dem Iran endlich mal zur Hilfe ein.
00:55:12: Daniela, vielen Dank.
00:55:13: Danke dir.
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